Wikinger! Blut! Gemetzel! … und Taktik

Bei meinem jährlichen Besuch im Flensburger Gandalph war mir klar, dass ich dieses Spiel haben musste. Der Name erinnert an eine mittelmäßige Death Metal Band und es geht um Wikinger, die sich zusammen mit Riesen und Trollen gegenseitig nach Walhall schicken. Hu-ah!
Die Grundidee könnte man mit Risiko vergleichen: Gebiete erobern und halten, um damit Aufträge zu erfüllen. Es ist allerdings vielmehr eine anspruchsvolle Mischung aus aus Brett-, Rollen- und Kartenspiel, bei der die Fähigkeit zum Bluff nicht unerheblich ist. Gewinner ist derjenige, der am Ende von drei Zeitaltern (=Runden) den meisten Ruhm gesammelt hat – durch Missionskarten, Schlachten oder den Einzug in Walhall. Drei Runden klingt erst einmal wenig, allerdings hat jeder Spieler der Reihe nach Zeit, all seine »Wut« für verschiedene Aktionen auszugeben – für ein Zeitalter taktiert man in etwa eine halbe Stunde.

So sieht sie aus, die Welt kurz vor ihrem Untergang
So sieht sie aus, die Welt kurz vor ihrem Untergang.

Als Aktion kann jeder der bis zu vier Spieler mit einer seiner Figuren »invadieren« – also sie von seinem Vorrat aus das Schlachtfeld betreten lassen. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Spiel im englischen Original noch mal besser klingt. Ebenfalls möglich sind das Ablegen von Aufträgen von den Handkarten, Gebiete plündern, um seine Clanwerte zu erhöhen und Schlachtenruhm zu erlangen, Truppen zu verschieben oder Aufwertungen für den eigenen Clan zu kaufen. Die Spieler führen alle Aktionen nacheinander aus, bis alle ihre »Wut« verbraucht haben. Zu Beginn des nächsten Zeitalters wird die Wut wieder aufgefüllt, ebenso stellt jeder Spieler seine Handkarten zusammen und erhält seine gefallenen Krieger zurück. Darauf erstmal einen Schluck. Skøl.

Sammelt euch für die Schlacht!
Sammelt euch für die Schlacht!

Nach einigen Runden kann ich sagen, dass Bloodrage sehr viel Wiederspielwert besitzt. Durch »Ragnarök« wird am Ende der Zeitalter der Spielplan nach dem Zufallsprinzip weiter verkleinert und lässt die Schlachten um die verbliebenen Gebiete mit den stimmigen Namen wie Angerboda und Muspelheim verbitterter werden. Die Kämpfe entscheiden sich übrigens nicht durch Würfel, sondern durch offen einsehbare Stärke der Truppen sowie den verdeckten Handkarten. Es gibt unterschiedliche Strategien, wie man den meisten Ruhm erlangen kann. Und das Faszinierendste: Bisher führte jedes Mal eine andere zum Sieg, es wirkt alles sehr ausgeglichen. Man kann Ruhm durch Schlachten, Auftragskarten, gesteigerte Clanwerte oder auch dadurch erhalten, dass man seine Krieger von Ragnarök verschlingen lässt. Hoch die Hörner auf die Gefallenen!

Farbloser Bärenclan mit von mir bemaltem Anführer
Farbloser Bärenclan mit von mir bemaltem Anführer

Besonders gut gelungen ist auch die Verpackung des Spiels. Das gesamte Spielmaterial hat einen festen Platz im Karton und nichts wackelt. Sogar die wundervollen Miniaturen liegen alle einzeln in einer Plastikform – wofür ich sehr dankbar bin, wenn ich daran denke, dass einige Mühe vom Bemalen der Descent-Figuren umsonst war, wenn sie eh wieder alle durcheinander in derselben Verpackung landen … Die Figuren von coolminiornot sind wirklich, wirklich schön und da sie sehr detailreich gestaltet sind, eignen sie sich wunderbar zum Bemalen. Allein einige der Speere oder Standarten sind etwas verbogen, da das Plastik deutlich weicher ist als zum Beispiel bei den Warhammer-Minis. Die Stretchgoals der ehemaligen Kickstarter-Kampagne gibt es mittlerweile als Erweiterungen einzeln zu kaufen: einen zusätzlichen Clan, eine Erweiterung mit Götterfiguren und eine für eine Fünf-Spieler-Variante. Diese gibt es allerdings vorerst nur auf Englisch – stände ich noch mal vor der Wahl, hätte ich mir auch das Grundspiel im Original geholt.
Die wichtigste Regel in Bloodrage lautet übrigens: Spiele niemals ein Strategiespiel mit deinem kleinen Bruder. Verdammter Wolfsclan.

»Bloodrage« von coolminiornot, ca. 70€
Fotos © Frufus

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