Das Erbe des Königs

Diese Kurzgeschichte 2018 entstand für eine Wettbewerb. Es ist meine Interpretation des Märchens Svanvithe von Ernst Moritz Arndt. Die Prinzessin ist viel weniger fromm als im Original und begegnet Problemen lieber mit einer mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Lösung …

Wieder schlug eine Steinkugel in die Mauer ein. Der gesamte Burghof wurde erschüttert. Etzard duckte sich, dann rannte er weiter auf die Burgmauer zu. Er zog sein Schwert, um die Verteidiger zu unterstützen, lief die Treppe hinauf, sah aus den Augenwinkeln, wie ein Körper an ihm vorbei fiel. „Nein. Nein, nein, nein“, flüsterte er heiser. Im Laufen ließ er sein Schwert fallen und kniete sich neben den leblosen Krieger. Zwei Pfeile steckten in der Brust. Etzard legt seine Finger auf die bärtige Wange. „Nein, mein Herr, nein.“ Er spürte die Tränen nicht, die über sein Gesicht liefen. Der Mann am Boden röchelte und spuckte Blut, als er versuchte, zu sprechen. Der Wächter richtete ihn sacht auf und hielt seine Hand. „Ich bin hier, mein Herr Sievert“, sagte er zum Sterbenden. Er war sich nicht sicher, ob Sievert ihn erkannte. „Tjarge“, war sein einziges Wort, dann brachen seine Augen.
Etzard stieß ein ersticktes Heulen aus und er ergriff das Schwert seines Herrn, um dessen letzten Auftrag auszuführen. Er rannte über den Hof zum großen Bergfried, hörte die Todesschreie der Soldaten auf der Mauer und eilte weiter, ohne sich umzudrehen. Beim Turm angekommen sah er eine graue Gestalt, die in den Armen Gold und Geschmeide hielt. Sie verschwand in dem Tempel und Etzard setzte ihr nach. Der alte Mann war im Begriff, eine Treppe unter dem Altar zu betreten. „König Alrik!“, rief Etzard ihm zu. „König Alrik, Euer Sohn ist gefallen“, sagte er schwer atmend. „Dann gibt es hier keine Hoffnung mehr“, erwiderte der alte König kalt und betrat die Treppe in die Tiefe. „Aber … Euer Enkel“, sagte Etzard. „Ich werde ihn holen und …“ „Tu es, wenn du es wünscht. Hier ist kein Platz für ihn. Unter der Erde sind Raum und Vorräte knapp.“ König Alrik winkte den Dienern, die eine Steinplatte über den Eingang hievten. Dann schlugen sie mit schweren Hämmern auf die Stützpfeiler des Tempels ein. Etzard sah dem Treiben mit aufgerissenen Augen zu. Als die ersten Steine von der Tempeldecke fielen, riss der Wächter sich vom Anblick los. Er erinnerte sich an seinen Auftrag und machte sich auf dem Weg zum Zimmer des Prinzen. Im Hof sah er, dass das Burgtor standhielt, aber die Männer auf der Mauer beinahe überwältig waren.
Sein Atem ging schwer, als er mit Waffenrock und Schwert bis in die oberen Stockwerke hetzte. Er stieß die Tür zum Zimmer des Prinzen auf und sah in das kalkweiße Gesicht der Amme, die ihm zitternd einen schmalen Dolch entgegen streckte. Er hielt beschwichtigend die Arme von sich, das blutige Schwert seines Herrn in der Hand. „Wir müssen Tjarge hier wegbringen.“ Er erinnerte sich nicht an den Namen der Frau, so sehr er es auch versuchte. „Die Burg wird bald fallen. Herr Sievert ist tot und König Alrik hat …“ … seinen einzigen Enkel verlassen und allein sein Gold gerettet, doch das konnte er der Frau nicht
offenbaren. Sie nickte, schien sich zu erinnern, ihn an Sieverts Seite gesehen zu haben. Sie steckte ihren Dolch in den Gürtel, trat an die Wiege des Prinzen und hob den schlafenden Jungen hoch. Gemeinsam rannten sie die Stufen hinunter. Der Wächter führte sie zwischen die Gesindegebäude. Bei der Kaserne gab es eine Ausfalltür, die sie an den See bringen würde. Er hörte einen spitzen Schrei hinter sich und als er sich umdrehte, fiel die Amme in seine Arme. Ein Pfeil ragte aus ihrem Rücken und sie erschlaffte. Schnell steckte er das Schwert weg und nahm den Prinzen. Dieser war inzwischen aufgewacht, starrte aber nur mit großen Augen seinen Retter an. Der Schütze legte einen neuen Pfeil auf die Sehne und Etzard sprintete zwischen die Gebäude in Deckung. Endlich stand er vor der eisenbeschlagenen Tür. Er griff nach dem Schlüsselbund. Seine Hände zitterten vor Anstrengung und Schweiß lief ihm in die Augen. Er hörte aufgebrachte Schreie hinter sich, als er die Tür aufstieß. Er musste den Verfolgern den Weg abschneiden, also nahm er sich wertvolle Sekunden, um den Schlüssel aus dem Schloss zu ziehen und auf der anderen Seite wieder einzustecken. Ein stechender Schmerz zuckte durch sein Bein und ließ ihn aufkeuchen. Er schlüpte durch das Tor, doch seine Entscheidung, die Tür zu verschließen, hatte ihm einen Pfeil im Unterschenkel eingebracht. Etzard war außerhalb der Burgmauer und humpelte zum Ruderboot im Schilf. Er legte Prinz Tjarge auf den Boden des Bootes und ruderte, um die gefallene Burg hinter sich zu lassen. Am anderen Ufer blickte er sich noch einmal um und sah, wie die ersten Flammen in den sich herabsenkenden Nachthimmel schlugen.


„… Und dann habe ich die Räuber eigenhändig erschlagen, nachdem sie meine Leibgarde außer Gefecht gesetzt hatten. Zum Dank übergab mir der Fürst dieses Pferd hier. Meine Garde habe ich natürlich ersetzt, was soll ich denn mit ihnen, wenn sie nicht in der Lage sind, ihren Prinzen zu schützen?“ Jacek zwinkerte ihr zu.
„Aha“, sagte Svanvithe nur. Dann erinnerte sie sich an ihre Erziehung.
„Sicher braucht Ihr überhaupt keine Garde, bei Euren meisterhaften Schwertkenntnissen.“
Sie verzog ihren Mund zu einem Lächeln. Der dunkelhaarige Mann schien um ein paar zusätzliche Fingerbreit zu wachsen.
„Nein, da habt Ihr wohl recht, verehrte Prinzessin. Nur macht eine prächtige Leibgarde doch auch einen gewissen Eindruck auf das einfache Volk, nicht wahr?“
Sie gab keine Antwort, aber er schien auch keine zu erwarten. Sie blickte nach links, wo ein weiterer Prinz ritt. Sie verdrehte ihre Augen und Peter versteckte sein Lachen hinter einem Räuspern.
„Sagt noch einmal, Prinz Jacek, wie viele Räuber habt Ihr gleich erschlagen? Zehn, wie Ihr eben sagtet, oder waren es doch nur sieben, wie Ihr der Dienstmagd letzte Woche erzählt habt?“
Jaceks Augen verschossen Blitze in die Richtung seines Rivalen und sein Gesicht lief dunkelrot an. Er setzte zu einer Erwiderung an, aber in dem Moment schlugen die Hunde an. „Da! Endlich haben sie das Wild aufgespürt!“, rief Peter und trieb sein Pferd an. Svanvithe tat es ihm gleich und gemeinsam trieben sie ihre Pferde über die Ebene. Ihr langer blonder Zopf schlug ihr im Galopp immer wieder auf den Rücken. Sie erreichte den Jagdführer knapp vor dem Prinzen. Beide lachten außer Atem.
„Die Hunde sollten jeden Moment das Wild aus dem Wald treiben, mein Prinz, meine Prinzessin“, begrüßte der schlanke Mann sie. „Sehr gut!“ Peters Augen leuchteten auf und er griff nach einem Wurfspeer am Sattel. Svanvithe zog einen kleinen Reiterbogen und ließ den Jäger die Sehne aufspannen. Eine Herde Hirsche brach aus dem Wald hinaus und stürmte auf die Ebene. Kopflos durch das Gebell der Hunde hielten sie auf die Reiter zu. Peter und Svanvithe zielten auf eine Hirschkuh, sein Speer traf, ihr Pfeil streifte sie nur. Sie rümpfte die Nase. Der Rest des Jagdtrupps war eingetroffen und beteiligte sich am Treiben. Jaceks Speer verfehlte sein Ziel. Vor Wut schrie er auf und lenkte sein Pferd seitlich in einen jungen Bock. Als dieser zu Boden ging, sprang er ab, und stach mit seinem Schwert auf ihn ein, bevor er ihm schließlich mit dem Dolch die Kehle durchtrennte. Als das sterbende Tier versuchte, aufzustehen, versetzte er ihm einen Tritt und brüllte es an. „Eigenwillige Jagdtechniken haben sie im fernen Kajuwen“, flüsterte Peter der Prinzessin verschwörerisch zu. Über ihre geröteten Wangen breitete sich ein Grinsen aus.
Während die Diener die erlegten Tiere ausnahmen und zurück zur Burg zu brachten, ritt die Jagdgesellschaft voran. Im Burghof angekommen sprang Peter vom Pferd, warf die Zügel einem Stalljungen zu und bot Svanvithe seine Hilfe an. „Prinzessin?“ Obwohl sie sie nicht benötigte, ließ sie ihn gewähren. Als die starken Hände ihre Hüften umfassten, war sie dankbar dafür, dass ihre Wangen vom schnellen Ritt in der Herbstluft bereits gerötet waren. Dann trennten sich ihre Wege, um sich vor dem Bankett am Abend zu erfrischen.


Die Burg erhob sich über die grünen Ebenen von Wendborg. Die große Halle war mit den Blumen des Spätsommers geschmückt. In ausgelassener Stimmung hatten sich die Bewohner gemeinsam mit den Prinzen und ihrem Gefolge aus den angrenzenden Reichen Kajuwen und Sydamak eingefunden.
König Wieland erhob sich. Sofort verstummten die Gespräche an der Tafel. „Ich danke euch allen, dass ihr in den letzten Wochen so zahlreich an meinem Hof eingekehrt seid. Doch heute hat die Brautschau ihr Ende gefunden!“ Er wartet den Jubel ab.
„Meine Tochter hat mir mitgeteilt, welchen der Prinzen sie zu ihren Ehemann wählen will.“ Der König hielt kurz inne. „Hiermit gebe ich die Verlobung von Prinz Peter von Sydamak und meiner Tochter Prinzessin Svanvithe von Wendborg bekannt!“
Die Männer und Frauen im Saal klatschten, pfiffen und schlugen mit ihren Krügen auf den Tisch. Prinz Jacek bekam einen hochroten Kopf und wollte sich erheben, doch sein Berater Mieszko fasste ihn beschwichtigend an den Arm. So leerte er nur den Becher in einem Zug und vermied es, den Blick auf die Prinzessin zu lenken. Peter erhob sich, nahm Svanvithes Hände in die seinen und sprach: „Ihr habt mich soeben zum glücklichsten Mann der Welt gemacht!“ Er küsste seine Verlobte sanft auf den Mund unter dem Jubel der Anwesenden.
Beim anschließenden Tanz lagen sich die Liebenden in den Armen. „Ich kann es noch gar nicht glauben, dass du dich für mich entschieden hast“, murmelte Peter in ihr Ohr. Sie grinste schelmisch: „Vater auch nicht. Immer wieder fing er davon an, wie viel mächtiger Jaceks Reich sei und welche Vorteile uns es bringen würde.“ Sie zuckte leicht mit den Schultern.
„Aber er muss ja auch nicht den Rest seines Lebens mit diesen Ekel verbringen. Und er akzeptiert meine Entscheidung.“
„Oh, dann bin ich nur das geringere Übel, ja?“
Die junge Frau errötete. „Nein, nein! Was denkst du nur!“ Sie schaute ihm in die Augen.
„Du hast dich vom ersten Tag an für mich interessiert und nicht nur für die Prinzessin, die es zu erobern gilt. Du bringst mich zum Lachen und“, sie senkte ihren Blick wieder und drückte mit ihrer Hand seinen Oberarm, „bist ein äußerst stattlicher Prinz!“ Er lachte auf und wirbelte sie voller Freude durch den Saal. Sie tanzten bis spät in die Nacht und hatten nur Augen füreinander.
Später lag Svanvithe in ihrem Zimmer, glückselig von den Ereignissen des Abends und dem Wein, den sie getrunken hatte. Sie warf sich im Bett hin und her, doch fand sie keine Ruhe. Immerzu musste sie an Peters Lippen auf den ihren denken, an seine Hände auf ihrer Hüfte.
Und wenn sie jetzt einfach …? Das war doch verrückt! Oder nicht. Schließlich sind wir verlobt, dachte sie. Und es sind nur wenige Wochen bis zur Hochzeit, bis wir ganz offiziell Mann und Frau werden.
Sie warf sich einen Umhang über und schlich durch die Gänge der Burg, bis sie zum Gemach des Prinzen kam. Sie schlüpfte hinein und schloss die Tür leise hinter sich. Als sie sich auf sein Bett setzte, wurde Peter wach. „Welch ein Zufall. Ich habe gerade eben von dir geträumt.“ Mit diesen Worten zog er sie zu sich hinunter.


Bevor die ersten Sonnenstrahlen den Himmel erhellten, schlich die Prinzessin zurück in ihr Gemach. Und verschlief prompt das Morgenmahl. Schnell schlüpfte sie in ein Kleid und eilte die Stufen hinunter. In der großen Halle saßen ein paar Hausritter mit ihren Familien und Jacek mit seinem Gefolge. Die angeregten Gespräche verstummten jäh, als die Prinzessin eintrat. Der Prinz thronte mit einem hämischen Lächeln an der Tafel. Er verbeugte sich spöttisch und fragte: „Habt Ihr gut geschlafen, Prinzessin?“ Svanvithe wusste nicht, was er mit seiner Frage bezwecken wollte und beschloss, nicht weiter darauf einzugehen. Sie deutete ein Kopfnicken an und erwiderte: „Das habe ich. Vielen Dank, Prinz Jacek. Wie war Eure Nacht?“
Sie setzte sich und ließ sich Brot und Fleisch vom Vortag bringen. Die Menschen nahmen die Gespräche am Tisch wieder auf. Svanvithe wurde das Gefühl nicht los, dass alle über sie redeten. Einige Blicke lagen erwartungsvoll auf ihr, andere mieden sie, sie meinte sogar, dass eine Frau mit dem Finger auf sie zeigte, während sie mit ihrer Nachbarin tuschelte.
„Oh, seht nur, Prinzessin, da erscheint Euer Geliebter.“ Jaceks Stimme hatte einen ätzenden Tonfall. Svanvithe beschloss, ihn zu ignorieren, und begrüßte stattdessen ihren Verlobten mit einem züchtigen Kuss auf die Wange.
„Ich habe euch überhaupt nicht zu Eurer Verlobung gratuliert. Wie unhöflich von mir. Wisst ihr“, fuhr Jacek im Plauderton fort, „erst war ich etwas ungehalten darüber, dass Ihr diesen ungehobelten Bauern mir vorzieht, aber als mir dann klar wurde, dass Ihr das nur tut, weil Ihr ihn vögelt … Nun ja, bin ich dankbar, dass Ihr nicht versucht, mir ein Balg unterzuschieben. Meine aufrichtigsten Glückwünsche zu Eurer Verlobung, Prinzessin.“ Svanvithes Gesicht verlor sämtliche Farbe. Peter lief rot an und rief: „Wie könnt Ihr es wagen, Prinz Jacek?“
„Ich wage es, weil mein Getreuer Mieszko ganz genau gesehen hat, wie die Prinzessin Euch heute Nacht aufgesuchte.“
„Ihr schickt in Eurer Eifersucht Euren Bückling, um mir nachzuspionieren?“ Svanvithe hat ihre Fassung wiedergefunden.
„Ihr streitet es also nicht ab, keine Jungfrau mehr zu sein?“, erwiderte Jacek gelassen.
„Natürlich streite ich das ab! Ihr unterstellt mir Unzucht, nur weil ich Peter Euch vorgezogen habe! Welch kümmerlicher Wurm Ihr seid!“
Die Menschen am Tisch hielten die Luft an. Niemand wagte es mehr, nur einen Ton von sich zu geben.
„Unser Wort steht gegen das Eures kriecherischen Beraters. Und nun bittet Ihr gefälligst bei meiner Verlobten um Entschuldigung!“, forderte Peter. Svanvithe warf einen kurzen Blick auf die Anwesenden. Alle schienen gewillt, Prinz Jacek zu glauben, egal, ob er sich entschuldigte oder nicht. Der Schaden war bereits angerichtet.
„Das werde ich sicher nicht tun“, widersprach Jacek. Er sah Svanvithe kalt lächelnd in die Augen. „Hure.“
Svanvithe schrie auf. Sie sprang auf und ohne Zögern rammte sie ihr Frühstücksmesser in Jaceks Oberarm. Der starrte sie ungläubig an und schnappte nach Luft. Sie rannte hinaus, hörte Schritte und Peters Rufe hinter sich. Sie verschloss die Tür ihres Zimmers und warf sich auf ihr Bett, wo sie bitterlich zu weinen anfing.
Den ganzen Tag über klopfte es an der Tür, doch sie ignorierte jeden. Am Abend hörte sie die Stimme ihres Vaters und wusste, dass sie ihn hineinlassen musste.
„Was hast du dir nur dabei gedacht, Svanvithe?“, fragte Wieland kopfschüttelnd, als er sich zu seiner Tochter auf das Bett setzte. Sie schwieg und er seufzte.
„Du hast dem Prinzen von Kajuwen ein Messer in den Arm gestochen!“
„Aber er sagte …“
„Es ist nicht von Bedeutung, was er gesagt hat. Du kannst doch nicht dem Repräsentanten eines Königreichs verletzen! Das kommt einer Kriegserklärung gleich!“
Svanvithe riss die Augen auf. Daran hatte sie überhaupt nicht gedacht. Gleichzeitig kam ihr der trotzige Gedanke: „Sollen sie doch kommen. Jacek hatte kein Recht, mich zu beleidigen.“ Sie schlug die Augen nieder und nahm die Hand ihres Vaters.
„Vater, es tut mir leid. Seine Anschuldigung hat mich so zornig gemacht und ich habe es nicht bedacht. Was können wir tun?“
Wieland rang sich ein Lächeln ab. „Ich werde versuchen, die Wogen zu glätten. Am besten bleibst du für ein paar Tage in deinem Gemach. Und dann sollten wir dafür beten, dass es Prinz Jacek bald besser geht.“
„Kann ich dir nicht dabei behilflich sein?“
„Ich denke, ich kann sie einfacher beruhigen, wenn sie nicht ständig mit dir und deinem Temperament konfrontiert sind.“
Svanvithe nickte langsam. Ihr gefiel nicht, eingesperrt zu werden, doch sie vertraute ihrem Vater. Er würde eine diplomatische Lösung finden. Als er das Zimmer verlassen wollte, fragte sie: „Darf ich Peter sehen? Könnt Ihr ihn zu mir schicken, Vater?“
„Nein. Vergessen wir nicht, dass dieses Unglück seinen Lauf nahm, weil du ihn zu oft gesehen hast.“
Dann schloss er die Tür. Svanvithe verdrehte die Augen. Sie lief in ihrem Zimmer auf und ab und dachte darüber nach, was ein Krieg für ihr Land bedeuten würde. Das Königreich Wendborg war klein, im Norden grenzte es an das Meer und der Boden war arm an Erzen. Ihr Vater hatte stets mehr darauf gesetzt, durch Bündnisse den Frieden zu bewahren als seine Interessen mit kriegerischen Handlungen durchzusetzen. Doch durch ihre Verlobung mit Prinz Peter wäre ein Krieg für Kajuwen nicht leicht zu gewinnen.
Sie trat gegen einen der hölzernen Stühle in ihrem Gemach. Mehr Geld bedeutete mehr Truppen. Einst war ihre Familie reich gewesen. Sie erinnerte sich an die Geschichten, die ihre Amme erzählt hatte. Deren Vater Etzard hatte ihren Großvater Tjarge vor fremden Kriegern und einem Feuer gerettet. Tjarge war ein Prinz eines alten Königshauses, heidnisch zwar, aber er heiratete die Prinzessin von Wendborg. Der Familienschatz hingegen ist mit dem alten König Alrik untergegangen. Svanvithe fluchte über ihr Schicksal. Oft hatte ihre Amme vom Reichtum erzählt, der in dem Gewölbe unter der abgebrannten Burg am See ruhte. Bewacht von Svanvithes Ururgroßvater. Sie schnaubte. Dort war der Schatz keine Hilfe für ihr derzeitiges Dilemma.
Am Abend brachte ihr eine Dienerin ein Mahl. Svanvithe erfuhr nichts über ihren Vater, Peter oder Jacek, so oft sie auch nachfragte. Nur, dass Wieland sich mit seinen Beratern und den Abgesandten der Königreiche zusammengesetzt hatte. So vergingen drei Tage, in denen die Prinzessin in ihrem Zimmer umherlief oder auf ihrem Bett saß und grübelte. Als die Dienerin ihr dieses Mal das Essen brachte, war diese seltsam unruhig. Erst wich sie Svanvithes Fragen aus, doch schließlich sagte sie: „Es ist wegen Prinz Jacek, Prinzessin. Er hat plötzlich Fieber bekommen und klagte über Schmerzen im Arm … den Arm, den Ihr, Ihr wisst schon …“ Sie unterbrach sich und wurde rot. Svanvithe bedeutete ihr ungeduldig mit einer Handbewegung, fortzufahren. „Die Doktoren, sie mussten seinen Arm abnehmen. Sein Berater tobt vor Wut. Und wir alle, wir beten, dass der Prinz bald wieder aufwacht.“ Die Dienerin knickste und lief eilig aus dem Zimmer. Svanvithe wurde schwindlig und sie sackte Halt suchend auf einen Stuhl. Sie sah all ihre Träume und Pläne zerplatzen.
„Nein, nein, nein. Das kann nicht sein. Darf nicht wahr sein.“ Diese Gedanken kreisten in ihrem Kopf, ohne einen vernünftigen Schluss zuzulassen. Svanvithe lag in dieser Nacht lange wach. Sie fragte sich immer wieder, was nun geschehen würde. Ob Jacek sterben würde, ob Krieg ausbrechen würde, was dann aus ihr und Peter werden würde … Irgendwann fiel sie in einen unruhigen Schlaf, aus dem sie ein Klopfen an der Tür riss. Der nächste Morgen war bereits angebrochen und ein Mann der Leibgarde hieß sie, mit ihm zu kommen. Sie bat darum, sich kurz zu erfrischen. Während sie sich die Haare kämmte und Helfried seinen Blick strikt an ihr vorbei aus dem Fenster wandte, versuchte sie zu erfahren, warum er sie holte.
„Euer Vater hat eine Versammlung mit den Prinzen einberufen, Prinzessin. Ich kann euch nicht verraten, welches Ergebnis die Gespräche der letzten Tage brachte, oder ob sie sich überhaupt geeinigt haben.“ Er zog die Augenbrauen hoch und lächelte. „Prinz Jaceks Berater tobte, aber wir wissen ja alle, dass hinter dem Gerede der Männer aus Kajuwen nicht viel steckt. Und jetzt kommt bitte, Prinzessin.“
Svanvithe fand die Helfrieds Worte kaum aufbauend. Sie folgte ihm, um sich dem Unvermeidlichen zu stellen. Im Saal war es still. Sie nahm neben dem Thron ihres Vaters Platz. Für die Prinzen und Berater waren Tische und Stühle aufgestellt worden, die restlichen Anwesenden standen dahinter. König Wieland nickte ihr zu, aber sie vermochte seine Gedanken nicht von dem starren Gesicht ablesen. Sie suchte Peters Blick, doch er wich ihrem aus. Sie schluckte, nahm ihren Mut zusammen und wandte den Kopf in Jaceks Richtung. Die Doktoren hatten ihm seinen linken Arm abgenommen und die Wunde mit weißen Bandagen umwickelt, die sich über die Brust spannten. Sein Gesicht war bleich und glänzte vor Schweiß, doch er saß aufrecht auf dem Stuhl. Er fixierte Svanvithe mit seinen Augen, bis er schließlich die Lippen zu einem verächtlichen Lächeln verzog und sie sich schaudernd abwandte.
„Wir haben in den vergangenen Tagen lange beraten, wie Wir das Missgeschick aus der Welt schaffen können“, sagte König Wieland. „Meine Tochter Svanvithe hat in einem unbedachten Moment die Hand gegen den ehrenvollen Prinz Jacek von Kajuwen erhoben, in Folge dessen er seinen Arm verlor. Wir haben ihm Unser Bedauern ausgesprochen und um Entschuldigung gebeten, auch im Namen Unserer Tochter.“ Wieland räusperte sich. „Es ist das gute Recht des Prinzen, diese Entschuldigung als nicht ausreichend zu erachten. Nun sind wir alle hier zusammen gekommen, um eine Lösung zu finden. Prinz Jacek, was würdet Ihr für angemessen halten?“
Jacek stand auf und sprach mit fester Stimme: „Habt Dank, König Wieland. Ich denke nicht, dass es einen angemessenen Ausgleich für den Verlust meines Arms gibt. Doch wir alle wissen, dass ein Krieg zwischen unseren Ländern ebenfalls nicht erstrebenswert wäre. Vor allem jetzt, wo ich nicht mehr daran teilnehmen kann.“ Er zeigte wieder sein verächtliches Grinsen.
„Ich denke, die Übertragung Eurer Grenzgebiete zu Kajuwen könnte meinen Schmerz lindern. Und solltet Ihr keinen leiblichen Erben für Euer Reich haben, werde ich nach Eurem Tod Euer Nachfolger. Bedenkt bitte, dass in Kajuwen die weibliche Thronfolge nicht anerkannt ist.“ Es herrschte Totenstille im Saal. Svanvithe schlug entsetzt die Hand vor den Mund. Wie konnte er eine solch abstruse Forderung stellen? Auch ihr Vater schien sprachlos. „Das … scheint mir eine mehr als angemessene Forderung für den Verlust Eures Arms.“
„Sicher überrascht Euch die Forderung, denn es ist in Eurer Familie ja nicht unüblich, dass Besitz höher angesehen ist als die Unversehrtheit der Menschen.“
„Prinz Jacek! Ich weiß, Ihr steht hier als Ankläger vor Uns, doch mäßigt Eure Worte! Und ich muss Euch fragen: Wollt Ihr andeuten, durch eine Hochzeit Nachfolger zu werden?“
Svanvithe hielt den Atem an. „Niemals!“, dachte sie.
„Wenn Ihr eine weitere Tochter hättet, vielleicht. Eine, die nicht wie eine wilde Bestie auf Prinzen einsticht und noch Jungfrau ist.“ Er deutete eine Verbeugung an und setzte sich wieder. Wieland war bei Jaceks Rede rot angelaufen, ging aber nicht weiter auf seine Provokation ein.
„An welche Grenzgebiete dachtet Ihr?“
Mieszko stand auf und überreichte dem König eine Karte. Wieland studierte sie und wandte sich dann an den Prinzen: „Ihr versteht, dass ich dies mit meinem Kronrat besprechen muss?“
Jacek zuckte mit seiner gesunden Schulter. „Nehmt Euch die Zeit, König Wieland. Ich warte darauf, dass die Doktoren mir das Reiten wieder gestatten. Aber ich habe nicht vor, noch all zu lange in dieser Gesellschaft zu verweilen. Ach und“, fügte er hinzu „es wäre wohl angemessen, wenn Eure Tochter mir die Ländereien mit einem Kniefall und um Verzeihung bittend überreicht.“
Der König entließ alle Anwesenden. Zurück blieben sein Rat, die Wachen und Svanvithe, die wie erstarrt auf ihrem Thron saß.
„Vater … Ihr wollt doch diesem Unhold nicht etwa nachgeben?“
„Dann sag mir, welche andere Wahl ich habe. Überschreibe ich ihm die Gebiete nicht, erklärt er uns den Krieg. Den wird er gewinnen und erhält seine Ländereien am Ende doch. Mit dem Unterschied, dass unser Volk leiden wird und viele unserer Ritter fallen. Wegen deines Fehltritts. Dein eigensinniges Handeln bringt unser Königreich an den Rand des Untergangs.“
„Aber es ist doch vollkommen gleich, was ich getan habe! Er könnte diese Forderungen unter jedem anderen Vorwand stellen. Deshalb dürft Ihr ihm nicht nachgeben!“
Die Stirn des Königs legte sich in Falten. „Du hast mit einer unbedachten Tat all meine sorgsam geschmiedeten Bündnisse zerstört. Du hast kein Recht mir vorzuschreiben, wie ich mein Königreich zu regieren habe, Svanvithe!“
„Es wird auch einmal mein Königreich sein! Wenn du die Grenzgebiete abtrittst, dann haben wir nie eine Chance, gegen Kajuwen zu bestehen. Ich bin sicher, Peter und seine Armee werden …“
„Genug jetzt!“ Wieland erhob die Stimme. „Prinz Peter wird überhaupt nichts tun. Und ob du jemals eine Königin sein wird, wage ich zu bezweifeln.“ Er wandte sich von ihr ab und sprach zu den Gardisten: „Sperrt sie in ihr Zimmer, bis ich diese Krise gelöst habe! Ich will nichts mehr von ihr hören, bis ich weiß, was mit ihr zu tun ist.“ Mit einer ungeduldigen Handbewegung schickte er sie davon. Svanvithe ignorierte die Männer, die sich zwischen sie und ihren Vater schoben.
„Vater! Das kannst du nicht tun! Was … was meinst du damit, Peter wird nichts tun? Vater?!“ Sanft nahmen die Wachen ihren Arm und schoben sie in Richtung Tür.
„Vielleicht könnten wir Jacek überreden, Felsbrück gegen eine Zahlung zu behalten, die Festung ist eine unserer stärksten …“ Die Worte, die ihr Vater zu seinen Beratern sagte, waren die letzten, die sie für eine lange Zeit von ihm hören sollte.
Svanvithe ging ihren beiden Begleitern voran. Sie setze einen Fuß vor den anderen und wusste nicht, was sie sonst tun konnte, außer den Befehl ihres Vaters befolgen. Wollte er erst einen Teil des Reiches und nach seinem Tod sogar das gesamte Königreich aufgeben? Wie konnte es ihre Schuld sein, wenn er nicht bereit war, dafür zu kämpfen? Sie hatte nicht gewollt, dass es so weit kam, aber nun, wo es geschehen war, wollte sie auch nicht, dass Jacek seinen Willen durchsetzte. Wenn sie nur Peter sehen könnte – vielleicht könnten sie ihren Vater zusammen überreden, sich Kajuwen zu stellen? Eine gemeinsame Streitmacht könnte das Königreich erhalten. In Zukunft wären die beiden Reiche unter ihren Kindern vereinigt.
Aus den Augenwinkeln sah sie, wie ihr Verlobter in einem Gang links von ihr lief. Sie rannte auf ihn zu und warf sich an seinen Hals, bevor ihre Wachen reagierten.
„Oh Peter, da bist du ja! Was ist das nur für ein Alptraum? Ich …“
Sie merkte, wie er sich unter ihrer Umarmung versteifte und ließ ihn los.
„Was ist denn nur los?“ Er wich ihrem Blick und der Frage aus. „Es ist entsetzlich! Mein Vater will Jaceks Forderungen tatsächlich erfüllen, wir müssen …“
Die Wachen waren ihr gefolgt. „Prinzessin, Euer Vater trug uns auf, Euch zu Eurem Gemach zu begleiten. Kommt bitte.“
„Lasst mich nur einen Augenblick mit meinem Verlobten sprechen! Ihr wisst doch, was auf dem Spiel steht!“ Sie ergriff Peters Hand. „Bitte sprich mit meinem Vater. Wenn du ihm beistehst, muss er Jacek nicht nachgeben.“
Peter zog seine Hände zurück. „Das geht leider nicht. Ich reise ab.“
„Du reist ab? Wieso?“
Er wich ihrem Blick aus. „In dieser aktuellen Lage wäre ein Bündnis eine zu große Gefahr für Sydamak.“
„Aber … Wir werden heiraten, Peter. Mein Vater will Teile unseres zukünftigen Königreiches einfach weggeben!“
„Wir werden nicht heiraten, Svanvithe. Es tut mir leid.“
Sie starrte ihn mit großen Augen an.
„Du weißt selbst, wie mächtig Kajuwen ist. Sich jetzt gegen Jacek zu stellen, wäre unklug. Das könnte einen Krieg auslösen.“ Seine Stimme nahm einen entschuldigenden Klang an. „Es tut mir leid.“ Er hob seine Hände leicht, doch ließ sie dann wieder fallen und wandte sich ab. Svanvithe stand im Gang, bis Helfried sie an der Schulter berührte. Sie ließ sich bis auf ihr Zimmer führen, ohne dass sie nur das Geringste vom Weg dorthin mitbekam. Erst als sich der Schlüssel im Schloss drehte und sie allein war, erfasste sie das Ausmaß des Geschehenen zu. „Dieser Bastard!“, schrie sie. Sie packte ihren Stuhl und warf ihn mit voller Kraft gegen die Wand. Sieben Mal wiederholte sie es, bis das Möbelstück zerbrach und sie erschöpft auf ihr Bett sackte.
Mitten in der Nacht schreckte sie hoch. Sofort kreisten ihre Gedanken wieder um die Ereignisse des Tages. Svanvithe fasste einen Entschluss. Es war ihr egal, welche Pläne ihr Vater für sie hatte. Sie zog sich ihre Reiterhosen und die festen Stiefel an, nahm ein Bein des zerbrochenen Stuhls in die Hand und schrie. Sie schrie, als würde ein schreckliches Ungetüm in ihrem Gemach stehen.
„Prinzessin? Alles in Ordnung, Prinzessin?“ Erst als sie die Stimme der Garde und das Kratzen des Schlüssels im Schloss hörte, verstummte sie abrupt und schlich hinter die Tür.
„Was ist denn los, Prin… ?“ Helfried lief ins Zimmer und sackte mit einem Stöhnen zusammen, als Svanvithe ihm das Stuhlbein mit voller Wucht auf den Schädel schlug. Sie ließ das Holz fallen und rannte aus ihrem Gemach, nicht ohne die Tür abzuschließen. Sie stürzte die Treppe des Turms hinunter und hoffte, dass niemand sonst von ihrem Schrei aufgeschreckt worden war. Es waren keine anderen Wachen zu sehen, die Knechte und Mägde schliefen noch. Einer plötzlichen Eingebung folgend schlug Svanvithe den Weg zum Thronsaal ein. Über dem Sitz ihres Vaters hing mit einem Schild mit Familienwappen das Schwert, das der Diener ihres Großvaters Tjarge gerettet hatte. Sie nahm es und wickelte in es in ein Stück Tischdecke. Sie griff das Bärenfell vom Thron und warf es sich über die Schultern. Es schleifte über den Boden, als sie zum Stall rannte. Dort sattelte sie ihre Stute. Sie führte sie hinaus und hörte, wie die Stalltür geöffnet wurde. Die Stallburschen waren wach und wollten ihrer Pflicht nachgehen.
„Hei, was machst du da?“, hörte Svanvithe sie rufen, als sie sich in den Sattel schwang und ihr Pferd antrieb. Im letzten Moment sprangen die beiden Jungen zur Seite. Die ersten Sonnenstrahlen fielen in den Burghof. Sie ritt zum großen Tor. Voller Schrecken erinnerte sie sich, dass das Burgtor die Nacht über verschlossen war. Sie wusste nicht, wie sie sonst hinaus gelangen sollte. Das Tor kam in Sichtweite und sie sah, dass die Wachen soeben an den Griffen zogen. Einige Mägde warteten tuschelnd davor, zu den Ställen außerhalb der Burg zu gehen. Als die Männer am Tor sie erkannten, waren die schweren Holzflügel bereits weit geöffnet. Einer der Wachen versuchte, seinen Flügel wieder zuzuziehen. Der andere war so überrascht, dass er die Prinzessin nur mit offenem Mund anstarrte, als sie das Tor passierte. Svanvithe lachte, dann beugte sie sich im Sattel vor und trieb ihr Pferd an, um die Burg schnell hinter sich zu lassen.
Sie gönnte sich und ihrem Pferd nur wenige Pausen, denn sie wollte viel Abstand zwischen sich und ihren Vater und all dem Unglück bringen. Die zahlreichen Jagdausflüge, die sie unternommen hatte, hatten sie zu einer sicheren Reiterin werden lassen. Die Prinzessin hatte kein Ziel, aber eine Himmelsrichtung, der sie folgte. Im Norden war das Meer, im Osten das Reich von Jacek und im Westen das von Peter. Ihre Hände krallten sich in die Zügel, als sie an die Prinzen dachte. Es blieb ihr nur eine Richtung.
Bis zum Nachmittag ignorierte sie ihren immer stärker werdenden Hunger. Schließlich ritt sie in ein kleines Dorf, aß in einem Gasthaus und kaufte sich Vorräte. Ihr Geldbeutel würde sie ein paar Wochen versorgen. Auf ihre Jagdfähigkeiten wollte sie sich ohne Treiber lieber nicht verlassen. Außerdem hatte sie ihren Bogen in der Waffenkammer zurückgelassen. Svanvithe kam sich klug vor, als sie die Wirtin nach Straßen Richtung Westen befragte, um ihre Spur zu verwischen.
Gestärkt ritt sie ein paar Stunden weiter. Sie wollte nicht bei Fremden übernachten. Stattdessen schlug sie ihr Lager zwischen einigen Büschen an einem Fluss auf. Auf den Jagdausflügen hatte der Hofstaat manches Mal im Wald genächtigt, mit allen Annehmlichkeiten, die königliche Zelte und Köche boten. Svanvithe hatte nur das Bärenfell, in dem sie sich in der lauen Frühsommernacht einrollte. Trotzdem schlief sie tief bis in den nächsten Morgen hinein. Niemand weckte sie, um aufzustehen und sich von fremden Prinzen anstarren zu lassen. Gut gelaunt aß sie von ihren Vorräten und brach auf. Fünf Tage lang ritt sie durch Dörfer, Städte und Landschaften, die zu ihrem Königreich gehörten, die sie bisher aber nie besucht hatte. Sie erkannte einige Namen von der Landkarte und den Abgabelisten, so wusste sie, dass sie sich an der südlichen Grenze des Landes befinden musste. Die Prinzessin kam an einen großen See, in dessen Mitte auf einer Insel eine Burgruine aufragte. Bei dem Anblick überlief sie ein kalter Schauer, ohne, dass sie sagen konnte, warum.
In einem kleinen Dorf in der Nähe hielt sie an und schwatzte mit einer alten Bäuerin beim Essen über ihre Entdeckung.
„Oh, die Ruine im See. Dort stand einst die Burg von König Alrik. Meine Großmutter erzählte mir von der Nacht, in der die Burg niederbrannte.“ Sie seufzte. Svanvithe löffelte ihren Eintopf. Sie versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie schon von König Alrik, ihrem Vorfahren, gehört hatte.
„Er war ein garstiger Mann. Geizig und verdorben bis ins Blut. Er hat seinen Sohn und Enkel im Stich gelassen. Während einer Belagerung hat er sich mit seinen Schätzen in den Gewölben der Burg eingeschlossen. Seine Familie und alle, die dort lebten, hat er ihrem grausigen Schicksal überlassen! Niemand hat die Kämpfe und das Feuer überlebt.“
Die alte Frau schüttelte ihren Kopf und biss von ihrem Brot ab. „Seine Gier war sein Untergang, so sagt man. Er hatte zwar all sein Gold – unermessliche Reichtümer – in die Gewölbe tragen, doch nicht ausreichend Vorräte nach unten schaffen lassen. Er litt furchtbaren Hunger und Durst, doch seine Gier nach dem Gold ließ ihn nicht sterben. König Alrik ist immer noch unter den Ruinen der Burg gefangen!“
Svanvithe aß ihren Eintopf nicht weiter, so gebannt folgte sie der Geschichte der alten Frau. Diese beugte sich über den Tisch und fuhr fort: „Doch der gierige König hat nie genug Gold, und so schleicht er sich manches Mal an die Oberfläche durch einen geheimen Tunnel. Doch in seiner Menschengestalt kann er ihn nicht verlassen, so verwandelt er sich in einen dunklen Hund und streift durch die Wälder. Bei Vollmond kann man ihn in den Wäldern hören, doch niemand, der ihn gesehen hat, kam je zurück.“ Svanvithe war entsetzt über den Teil ihrer Familiengeschichte, die sie bisher nicht gekannt hatte.
„Sieh mich nur an, ich alte Frau. Erzähle dir alte Märchen und erschrecke dich am helllichten Tag!“, lachte die alte Bäuerin. „Möchtest du noch etwas Eintopf? Vielleicht ein Bett für die Nacht?“
Die Prinzessin schüttelte den Kopf.
„Ich kann noch ein paar Stunden reiten, bevor es dunkel wird. Die will ich nutzen. Vielen Dank für den Eintopf und die … Geschichte.“
Svanvithe trieb ihr Pferd stärker an, als es nötig gewesen wäre. Sie riskierte keinen Blick mehr zurück auf die Ruine im See. Bald erreichte sie einen Wald, durch den ein schmaler Pfad führte. Die meisten Bäume waren schlank, doch das Unterholz war dicht und verwachsen. Sie war noch nicht weit geritten, als der Himmel sich verdunkelte und schwere Wolken aufzogen. Heftiger Regen brach über sie hinein, der sie bis auf die Knochen durchnässte. Sie fand keinen Unterschlupf, also beschloss sie, weiterzureiten. Auf einmal hörte sie das Jaulen eines Hundes hinter sich. Sie schreckte zusammen. Als sie sich umdrehte, schlug nicht weit von ihr ein Blitz in einen Baum, der sofort in Flammen stand. Ihre Stute scheute beim Geräusch des Donners und dem Geruch von Feuer. Mit Mühe klammerte sich die junge Frau fest und ließ ihr Pferd ohne Führung in die Dunkelheit laufen.
Svanvithe wusste nicht, wie lange sie durch das Gewitter ritt, bis ihre Stute langsamer wurde. Sie stolperte durch den Schlamm und senkte den Kopf, hielt aber nicht an. Die Frau war zu erschöpft und lehnte sich über den Hals des Tieres. Sie hielt keine Ausschau mehr nach einem Unterschlupf, sondern ließ sich einfach durch den anhaltenden Regen tragen. Irgendwann fielen ihr trotz der Kälte die Augen zu. Bei einen tosenden Donnerschlag wachte sie wieder auf. Ihre Stute machte einen erschreckten Satz nach vorne. Sie stolperte und fiel mit einem Schrei zu Boden. Svanvithe wurde über den Hals des Tieres geworfen und landete im Schlamm. Sofort stand sie wieder auf. Als sie sich die nasse Erde aus dem Gesicht wischte, sah sie, dass es ihrem Pferd nicht gelang. Immer wieder knickten ihm die Vorderbeine weg und es wieherte in Panik und vor Schmerzen. Vorsichtig näherte Svanvithe sich der Stute und redete beruhigend auf sie ein. „Alles wird gut, mein Hübsche, ganz ruhig.“
Doch sie wusste nicht, wie. Es war dunkel und stürmte. Sie saß zwar sicher im Sattel, aber wenn ein Tier krank oder verletzt war, war dies die Aufgabe des Stallmeisters gewesen. Svanvithe zerrte vergeblich an den Zügeln. Erst sprach sie auf die Stute ein, schließlich schrie sie das Tier an, doch es half nichts. Immer wieder brach es mit den Vorderbeinen ein. Erschöpft sank sie zu Boden und schlang die Arme um den Hals ihrer Stute. Wahrscheinlich war eins der Beine gebrochen. Svanvithe hatte den Stallmeister darüber reden hören und sie wusste, was es bedeutete. Doch sie konnte es nicht übers Herz bringen. Außerdem fürchtete sie, dass sie zu Fuß niemals genug Abstand zwischen sich und die heimatliche Burg bringen würde. Sie hörte das Heulen eines Hundes in der Ferne und schreckte auf. Svanvithe starrte angestrengt ins Dunkel, konnte aber keinen schwarzen Hund ausmachen. Oder einen Wolf. Sie wusste nicht, welcher Gedanke sie mehr beunruhigte. Sie zog ihr Schwert und beschwor das Pferd, still zu sein und wie durch ein Wunder verstummte das Gewieher. Das Bärenfell breitete sie über sich und den Pferderücken aus, bevor beide in einen erschöpften Schlaf glitten.
Sie spürte die Bewegungen neben sich und hörte das verzweifelte Wiehern, ehe sie die Augen aufgeschlagen hatte. Es dämmerte bereits und der Regen hatte aufgehört, doch ihr Bärenfall war durchnässt und sie fror. Dann sah sie eine Bewegung unter den Bäumen. Ihre durchfrorenen Glieder folgten ihrem Befehl, aufzustehen, nicht. Auch ihre Stute hatte es bemerkt und ihre Bemühungen wurden verzweifelter. Auf sie zu trat ein Mann mit kurzen blonden Haaren und gepflegtem Bart, dessen strenger Blick sie zurückschrecken ließ. Er hatte zehn weitere Männer und Frauen in Lederrüstungen und Kettenhemden um sich.
„Wir hörten dein Pferd. Ist alles in Ordnung?“
Svanvithe antwortet nicht. Vorsichtig stützte sie sich auf dem Pferderücken ab und stand auf. Sie hielt noch immer ihr Schwert in der Hand. Als es unter ihrem Bärenfell hervorblitzte, trat der Krieger einen Schritt zurück und griff nach seiner Waffe.
„Wer bist du?“, fragte er.
„Mein Name ist … Sintje. Ich bin in dieses Gewitter geraten. Meine Stute stürzte und ich …“ Sie wusste nicht, was sie weiter sagen sollte. Geistesgewärtig nannte sie den ersten Namen, der ihr in den Sinn kam. Der Mann musste nicht wissen, dass sie die Prinzessin von Wendborg war. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass der Mann ihr glauben würde. Ihre Kleidung war durchnässt und voller Schlamm, ebenso wie ihre Haare. Sie war allein in der Nacht in einem fremden Reich unterwegs gewesen. Südlich ihres Königreichs gab es nur versprengte Fürstentümer.
„Wo bin ich?“, fragte sie und schaute dem Mann in die Augen.
„Du bist im Fürstentum Borska. Mein Name ist Bartel. Ich befehlige die Truppen unserer Fürstin.“
Die Prinzessin nickte. Die südlichen Ländereien lagen ständig im Streit untereinander. Sie hatte sich kaum die Mühe gemacht, ihre Namen oder die ihrer Oberhäupter zu lernen, weil sie so oft wechselten.
„Wir sind auf dem Weg zur Fürstin Ruth. Du kannst uns begleiten.“
Svanvithe nickte erneut, denn sie war sich nicht sicher, ob er sie hätte weiterziehen lassen.
„Kümmere dich um das Pferd“, wies Bartel einen seiner Männer an. Svanvithe umarmte ihre Stute ein letztes Mal und dann wandte sie sich ab.
Er hieß eine seiner Kriegerinnen an, Svanvithe zu sich aufs Pferd zu nehmen. Erst gegen Abend erreichten sie die Burg. Die Prinzessin sah, dass diese Festung sich von der heimischen unterschied. Auf den Wehrgängen waren mehr Bewaffnete zu sehen. Das Dorf am Fuße der Burg war von einer Palisade umgeben. Die Fürstin stand im Hof und diskutierte mit einem Baumeister. Bartel stieg vom Pferd und verbeugte sich vor der älteren, eleganten Frau. Sie trug bis auf eine Halskette keinen Schmuck und hatte die grauen Haare zu einem langen Zopf geflochten.
„Meine Fürstin. Die Grenzen bleiben ruhig.“
Die Frau nickte ihm zu. „Gute Arbeit, Bartel.“ Der Mann ruckte kaum merklich mit dem Hals. „Und wer ist das?“ Sie blickte zu Svanvithe und musterte sie.
„Ihr Name ist Sintje. Wir fanden sie nach dem Gewitter im Wald. Ihr Pferd war gestürzt.“
„Lasst sie ein Bad nehmen, dann möchte ich beim Essen mit ihr reden.“
Bartel winkte zwei Dienerinnen heran, die den Befehl ausführten.
Svanvithe lag mit geschlossenen Lidern im Badezuber und ließ die Wärme in ihre durchfrorenen Glieder zurückkehren. Als sie leises Stoffrascheln hörte, schlug sie die Augen auf. Die Dienerinnen waren verschwunden, und vor ihr stand die Fürstin.
„Wer bist du wirklich, Mädchen?“
Svanvithe starrte sie verwirrt an.
„Du hattest ein Schwert und ein Pferd dabei, du bist weder Bäuerin noch Händlerin. Deine Haut ist zu hell und makellos für eine Söldnerin. Was hattest du des Nachts in meinen Wald zu suchen?“
Die Fürstin hatte sie ohne Ankündigung vor dem Mahl aufgesucht. Svanvithe erkannte die Möglichkeit, ihr in aller Stille die Wahrheit zu offenbaren.
„Ich bin Prinzessin Svanvithe, Tochter von König Wieland von Wendborg. Meine Brautschau lief nicht wie erwartet und so habe ich das Königreich verlassen.“
Sie klang selbstbewusster, als sie sich fühlte; nackt und allein vor der Fürstin. Diese sah sie kritisch an.
„Als einer der Bewerber mich als ‚Hure‘ bezeichnete, trieb ich ihm ein Messer in den Arm. Leider war er der Prinz von Kajuwen und droht meinem Vater mit Krieg, sollte er nicht einen wichtigen Teil unser Ländereien abtreten und mich öffentlich demütigen. Da habe ich die Burg verlassen“, fuhr sie fort. Die Fürstin würde diese Dinge sowieso erfahren.
„Ich bitte Euch, sagt niemanden, dass ich hier war. Zu meinem Wohl und zu dem Eures Landes. Ich weiß nicht, ob Jacek mir folgt.“ Oder mein Vater mich zurückholen lässt, fügte sie in Gedanken hinzu.
Die grünen Augen der älteren Frau musterten sie unnachgiebig.
„Würde es mir nicht einen Vorteil verschaffen, wenn ich Prinz Jacek darüber in Kenntnis setze, dass Ihr mein Gast seid?“
Svanvithe erbleichte. Trotzdem erwiderte sie mit fester Stimme: „Sagt Fürstin, wann habt Ihr Euch das letzte Mal von einem Mann beleidigen und ihn ungestraft davonkommen lassen?“
„Steigt endlich aus der Wanne und in Eure Kleider. Ich erwarte Euch in der Halle.“ Mit diesen Worten drehte die Fürstin sich um. Sie hatte aber nicht unfreundlich geklungen, und so kam Svanvithe der Bitte eilig nach. Die Halle ähnelte der in ihrer Heimatburg. Hier speiste die Fürstin mit der Familie, ihren Kriegern und Kriegerinnen und den restlichen Bewohnern. Sie ließ Svanvithe neben sich Platz nehmen und stellte sie als ihren Gast vor – als entfernte Nichte Sintje, die sich auf der Reise zu ihrer Tante verirrt hatte. Die Prinzessin bedankte sich bei der Fürstin und diese beantwortete endlich ihre Frage:
„Ich werde keine Frau, die Hilfe benötigt, von meiner Tür weisen. Du kannst hier bleiben, so lange du möchtest und weder dein Vater noch Prinz Jacek sollen darüber in Kenntnis gesetzt werden. Doch mein Hof ist klein und ich liege mit meinen Nachbarn im Streit. Wenn du bleibst, musst du dich nützlich machen. Du kannst meiner Haustruppe beitreten. Bartel wird dich im Kampf unterweisen.“
Sie blickte zu dem ernsten Krieger, der Svanvithe im Wald gefunden hatte. Er nickte, bevor er sich stumm wieder seiner Suppe zuwandte. Svanvithe zögerte keine Sekunde. „Ich bin eine gute Reiterin und habe auf der Jagd bereits gelernt, mit dem Bogen umzugehen.“
Die Fürstin nickte.
„Dann ist es beschlossen. Du kannst nachher in meine Kammer kommen und mir den Eid schwören. Ich verspreche dir, dich von deinem Schwur zu entbinden, solltest du je den Wunsch äußern, in dein Reich zurückkehren zu wollen.“


Drei Jahre lang blieb Svanvithe auf der Burg der Fürstin.
Immer wieder ritt sie aus und führte kleine Scharmützel gegen Kämpfer der benachbarten Fürstentümer, doch jedes Mal war sie siegreich hervorgegangen. Bartel hatte sie gut unterrichtet. Svanvithe schwang sich von ihrem Pferd und nahm Schwert und Schild vom Sattel, bevor sie die Zügel einem Stallburschen zuwarf. Sie kehrte von einem mehrwöchigen Ritt an den Grenzen des Landes zurück und sehnte sich nach einem Bad und Essen, das nicht aus altem Brot, trockenem Käse und salzigem Pökelfleisch bestand. Doch auf dem Weg zu ihrer Kammer fing ein Diener sie ab. Die Fürstin beharrte darauf, sie sofort zu sehen. Seufzend rieb Svanvithe sich den schmerzenden Rücken, während sie kehrtmachte. Ruth empfing sie mit einem ernsten Gesicht, gebeugt über eine Landkarte. Svanvithe verbeugte sich kurz und runzelte die Stirn. Die Grenzen waren geschützt, was also besorgte ihre Herrin so?
„Svanvithe, ich bin froh, dich unverletzt zu sehen. Ich weiß die Arbeit, die du leistest, wirklich zu schätzen.“ Sie nahm ein Stück Pergament zur Hand. „Diesen Brief habe ich von einem meiner Informanten erhalten. Dein Vater, Svanvithe … er ist sehr krank. Und Prinz Jacek verliert die Geduld. Er ist nicht bereit, auf den Tod deines Vaters zu warten, denn er belagert ihn in seiner Burg.“
Svanvithe war erst blass geworden, jetzt lief sie vor Zorn rot an.
„Dieser Wurm!“, zischte sie. „Ich hätte damals nicht nur auf seinen Arm zielen sollen.“
Die Fürstin zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Vielleicht hättest du dein Messer auch gar nicht gegen ihn richten sollen.“
Svanvithe zuckte zusammen. Die Fürstin hielt sich nie zurück, sondern sprach immer aus, was sie dachte.
„Dein Vater ist nicht der Einzige, dem er zusetzt. Er dehnt sein Reich auch nach Süden aus.“
Nun verstand Svanvithe, warum ihre Herrin besorgt war. Wenn Jacek so weiter machte, würde er bald an die Grenzen des Fürstentums stoßen. Bisher hatte sich sein Hunger nach Land stets als unstillbar erwiesen.
„In der aktuellen Lage kann ich auf keinen meiner tapferen Männer und Frauen verzichten. Aber denkst du nicht, es wäre vielleicht an der Zeit, in dein Reich zurückzukehren? Deinen Vater zu überreden, sich endlich gegen Prinz Jacek zu wehren und ihn nach Kajuwen zurückzutreiben?“
Die Fürstin sah ihr in die Augen. Svanvithe hatte nicht erwartet, dass ihre Herrin diesen Vorschlag machen würde. Sie hatte schon lange nicht mehr den Wunsch verspürt, nach Hause zurückzukehren. Sie schnaufte verächtlich.
„Mein Vater war schon vor drei Jahren nicht davon zu überzeugen. Und nun, wo er bereits die Hälfte des Königreichs aufgegeben hat? Welche Chance hätte er denn gegen Jacek? Wir hatten damals schon nicht genug Männer und hätten nur mit Hilfe von …“ Sie stockte. Peters Namen wollte sie hier nicht aussprechen. Doch dann kam ihr eine Idee.
„Wenn ich also selbst genug Kämpfer bringen könnte, wäre ich weder auf meinen Vater noch auf sonst jemanden angewiesen. Mein Fürstin, Ihr ward immer gut zu mir. Dürfte ich Euch um einen letzten Gefallen bitten?“
„Ich sagte dir doch bereits, ich kann niemanden entbehren.“
„Nein, nein, das verlange ich auch nicht. Ich muss Euch etwas über meine Familie erzählen …“


Am nächsten Morgen verließ Svanvithe die Burg. Sie verabschiedete sich von der Fürstin, die sie aufgenommen, Bartel, der sie das Kämpfen gelehrt und den Frauen und Männern, mit denen sie gekämpft hatte. Ein Teil von ihr wäre lieber geblieben, doch sie wusste, dass es an der Zeit war, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
Nach wenigen Tagen erreichte sie das Dorf, in dem die Bäuerin ihr damals die Geschichte von König Alrik erzählt hatte. Die alte Frau war mittlerweile verstorben, doch ihr Enkel ließ sie bereitwillig in seiner Scheune übernachten. Svanvithe wollte nicht riskieren, in den Ruinen vom Einbruch der Nacht überrascht zu werden. So zögerte sie ihre Reise ein wenig hinaus. Schlaf fand sie in dieser Nacht nicht viel, da sie ständig fürchtete, das Jaulen eines Hunds zu hören.
Am nächsten Morgen führte Svanvithe ihr Pferd über einen schmalen, künstlichen Landgang zur Burgruine im See. Im Sonnenlicht sah sie friedlich aus: überwachsen von Moos und Efeu, bewohnt von Vögeln und Kaninchen. Seit Jahrzehnten hatte kein Mensch mehr einen Fuß auf die Insel gesetzt. Sie fürchteten sich zu sehr vor dem alten König Alrik. Svanvithe band ihr Pferd an einen Baum und betrat die Ruine. Sie stand auf den bemoosten Steinen und sah sich um. Dann wandte sie sich Richtung Bergfried. Das Innere war ausgebrannt und die Mauern eingestürzt. Svanvithe konnte sich schwer vorstellen, welche Ausmaße der Turm früher besessen hatte. Die Burg musste größer und eindrucksvoller gewesen sein als alle, die sie kannte. Sie suchte weiter. Neben dem Turm befand sich laut der Geschichte der heidnische Tempel. Sie machte die Grundmauern eines quadratischen Gebäudes mit abgebrochenen, runden Säulen aus. In der Mitte lagen große Steine, die aus der Decke gebrochen waren, und Geröll. Darunter vermutete sie den Altar. Sie hatte erwartet, dass es nicht leicht werden würde, den Zugang zu finden. Svanvithe holte ihr Pferd und zog mit seiner Hilfe die Steine aus dem Tempel. Sie empfand eine gewisse Anspannung, doch hatte sie keine Angst vor dem Zorn der alten Götter. Diese waren mit König Alrik gestorben.
Gegen Abend hatte sie eine unversehrte Steinplatte mit ihr unbekannter Inschrift freigelegt. Sie überlegte, ob sie die Nacht wieder im Dorf verbringen sollte, entschied sich aber letztlich dagegen. Sie befürchtete, dass jemand anders vor ihr die Früchte ihrer Arbeit ernten könnte. So stemmte sie die Steinplatte auf und legte darunter eine schmale Treppe frei, die in die dunkle Tiefe führte. Sie lachte befreit auf. Dieser Teil der alten Familiengeschichte hatte sich bewahrheitet. Dann würde es der Teil mit dem Schatz sicher auch tun. Nur kurz dachte sie daran, dass eben so gut König Alrik am Ende der Treppe auf sie warten könnte. Schnell schob sie den Gedanken beiseite. Das war ja lächerlich! Die Burg war vor beinah 150 Jahren abgebrannt und hatte Alrik mit seinen Schätzen begraben. Svanvithe entzündete eine Fackel und stieg hinab in die dunkle Tiefe.
Die alte Treppe wand sich unendlich weiter und weiter nach unten, so kam es Svanvithe vor. Die Luft war klamm und kühl. Durch einen schmalen Durchgang gelangte sie in eine Halle. Einen so prachtvollen Raum hatte sie noch nie gesehen. Die Wände waren begradigt und mit Marmor verkleidet. Mächtige Säulen reichten bis an die Decke. Diese war nicht sehr hoch und natürlichen Ursprungs, doch im Fackelschein schimmerte das Gestein wie ein funkelnder Sternenhimmel. Die Fackel verbreitete nicht ausreichend Licht, um die gesamte Halle zu erleuchten. Am anderen Ende meinte Svanvithe, etwas zu sehen. Vorsichtig durchquerte sie die Höhle, bis sie vor einem alten Thron aus Holz stand, in den Verzierungen geschnitzt waren. Darauf saß zusammengesunken ein altes Männchen. Die Haut eingefallen, die Haare und der lange Bart grau, die Kleider verstaubt und verschlissen. Die Augen hatte es geschlossen. Svanvithe hielt ihm die Fackel vors Gesicht, doch erhielt keine Reaktion. König Alrik war tot. Mit einem Schaudern wandte die Kriegerin sich ab und ließ den Blick über das Gerümpel auf dem Boden wandern. Dunkle Berge türmten sich bis an die Wände. Sie wollten so gar nicht zu den marmornen und mit Schmucksteinen verzierten Wänden und Säulen passen. Svanvithe zog eine alte Kanne aus dem Haufen. Sie war angelaufen und schimmerte nur matt. Als sie mit dem Ärmel darüberfuhr, erkannte sie ihren Irrtum. Die Kanne war aus purem Gold. Die Halle war nicht voller Gerümpel, sondern beherbergte einen gewaltigen Schatz, der über all die Jahre seinen Glanz verloren hatte. Svanvithe konnte einen Freudenschrei nicht unterdrücken.
„Hast du also gefunden, wonach du gesucht hast?“, krächzte eine heisere Stimme hinter ihr. Erschreckt ließ die junge Frau die Kanne fallen und drehte sich um. Die Gestalt auf dem Thron war alles andere als tot.
„Ich bin König Alrik und ich teile meinen Schatz nicht. Was also suchst du hier, Weib?“ Er schnippte mit den Fingern und an den Wänden entzündeten sich Fackeln.
„Ich weiß, wer du bist. Dein Enkel Tjarge war mein Urgroßvater. Ich bin Prinzessin Svanvithe und deine Erbin. Ich nehme dein Gold, um mein Königreich zu retten. Das Reich, über das du früher geherrscht hast.“
„Du lügst. Mein Reich ist untergegangen, ich habe es gesehen. Mein Sohn und dessen Sohn sind tot. Doch ich lebe und mein Schatz gehört mir.“
Svanvithe schüttelte den Kopf.
„Tjarge wurde gerettet und hat nach seiner Flucht eine Prinzessin geheiratet; ihr Reich liegt nördlich deiner Burg. Dein Reich wurde mit ihrem verbunden, denn Tjarge war dein rechtmäßiger Erbe. So wie ich es nun bin.“
König Alrik lachte hämisch.
„Ich glaube kein Wort, von dem, was du sagst. Warum sollte eine Frau mich beerben?“
„Ich werde keine weiteren Worte mit einem Mann wechseln, der seinem Königreich in der finstersten Stunde den Rücken kehrte, seine Familie im Stich ließ und sich mit seinen Schätzen unter der Erde versteckt. Was nützt dir all dein Gold, wenn du doch hier unten feststeckst?“, entgegnete sie. Seine fahlen Augen blitzen.
„Wer sagt denn, dass ich hier gefangen bin? Bei dir allerdings, Prinzessin“, er spie das Wort verächtlich aus, „sieht es wiederum ganz anders aus. Ich denke nicht, dass ich dich wieder gehen lassen sollte.“
Svanvithe erinnerte sich wieder daran, warum sie nichts für Diplomatie übrig hatte. Gerede führte zu keinem Ergebnis. Sie warf ihre Fackel auf den Boden, als sie Schwert und Schild zog. Verwundert schaute König Alrik auf die Waffen.
„Ich kenne dieses Schwert. Woher hast du es?“
„Es ist ein Familienerbstück.“
Ohne weitere Vorwarnung griff Svanvithe an. Sie zielte mit dem Schwert auf die eingefallene Kreatur auf dem Thron. Leichtfüßig sprang König Alrik auf und wich ihrem Angriff aus. Dann stand er hinter ihr. Die Kriegerin wirbelte herum. Der alte Mann war schneller, als sie es erwartet hatte. Auch ihrem nächsten Hieb wich er aus. Sie folgte ihm bis in die Mitte der Halle.
„Närrin“, knurrte Alrik. Er klatschte drei Mal in die Hände. Abrupt blieb Svanvithe stehen. Der König fiel auf alle viere, schüttelte sich und verwandelte sich vor ihren Augen in einen schwarzen Hund. Als er ein Heulen ausstieß, wich sie instinktiv zurück. Sie war sich sicher, dieses Geräusch schon einmal gehört zu haben. Der Hund sprang ihr an die Kehle. Im letzten Moment riss sie den Schild vor sich. Das Tier prallte dagegen, sie sah seine rot leuchtenden Augen und roch seinen faulen Atem. Dann stieß sie ihn von sich. Als Svanvithe den Arm zum Schlag hob, sprang der Hund erneut, sie schlug mit dem Schild gegen seine Seite, brachte ihn aus dem Gleichgewicht und so zerrissen die Zähne nur ihren Ärmel. Sie umkreisten sich vorsichtig. Dann wich Svanvithe dem nächsten Angriff aus und zog ihm die Klinge über die Flanke. Der Hund jaulte auf. Erst traute die Frau ihren Augen im flackernden Fackelschein nicht, doch das Tier wuchs und wuchs. Die Bestie war nun so groß wie ein Pferd, mit Fangzähnen lang und spitz wie Dolche.
Svanvithe sprintete zurück zum Thron und suchte dahinter Deckung. Die Bestie setzte ihr nach. Sie versenkte die Zähne im Holz und schleuderte den Stuhl durch die Halle, wo er am anderen Ende krachend gegen die Wand schlug. Svanvithe nutzte ihre Chance und stach mit dem Schwert nach einem Vorderbein. Das Ungetüm zuckte zusammen, dann fuhr sein Kopf herum und die Kiefer klappten zu. Der Schild zersplitterte und die Zähne senkten sich in Svanvithes Arm. Sie schrie vor Schmerz auf, doch das Biest ließ sie nicht los. Es schüttelte sie und in ihrer Verzweiflung stach die Kriegerin nach seinem Kopf. Ihre Schwertspitze fand das rote Auge. Der Riesenhund winselte, trampelte mit den Vorderpfoten, traf sie an Armen und im Gesicht. Er drückte sie von sich weg und hieb ihr das Schwert aus der Hand. Sie robbte über den Boden, Blut lief ihr in die Augen. Hektisch tastete sie nach ihrer Waffe. Svanvithe hörte ein Schnaufen über sich, gerade als sie das Schwertheft zu fassen bekam. Sie drehte sich auf den Rücken und riss ihr Schwert mit beiden Händen nach oben, da fuhr das Maul der Bestie herunter. Die Schneide glitt durch den Gaumen bis tief in den Schädel. Mit einem Ächzen senkte sich der Körper des Ungetüms und das rote Leuchten erlosch.
Svanvithe kroch rückwärts fort von dem Kadaver, der sich erneut verwandelte. Das schwarze Tier schrumpfte, nahm wieder Menschengestalt an. Am Ende lag nur eine vertrocknete, eingefallene Leiche mit Wunden an Hand und Schädel auf dem Boden. Sie sah aus, als wäre sie schon lange Zeit tot, nur das Blut auf ihr war frisch.
Stöhnend setzte Svanvithe sich auf. Sie verband ihren Arm notdürftig und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. Dieser Kampf war anders als die Scharmützel gegen Räuber an den Landesgrenzen. Sie stand auf, warf einen letzten Blick auf ihren Vorfahren, um sich zu vergewissern, dass er wirklich tot war, und suchte die Fackel. Dann füllte sie ihre Taschen mit Gold. Sie machte sich zur Treppe auf, und stieß auf eine weitere Überraschung. Der Thron, den die Bestie durch die Höhle geschleudert hatte, hatte eine der Säulen getroffen. Die alten Steine hatten nachgegeben und ein Teil der Decke war herabgestürzt. Der Weg an die Oberfläche war versperrt. Unruhig lief Svanvithe auf und ab. Sie konnte unmöglich hier eingesperrt sein. Nicht nach all den Mühen, die sie auf sich genommen hatte. Bei ihren Schritten klimperten die Münzen in ihren Taschen. Sollte die Gier ebenso ihr Untergang sein wie Alriks? Dann fiel ihr ein, was der alte König zu ihr gesagt hatte. Er sei hier unten nicht gefangen gewesen. Nur wie war das möglich? Die Platte im Tempel hatte sie erst freigelegt. Sie blieb plötzlich stehen, als sie die Erkenntnis traf. Es musste einen zweiten Ausgang geben. Die alte Bäuerin hatte ihr vor Jahren von einem geheimen Tunnel erzählt, durch den der verfluchte Hund das Land durchstreifte. Hastig leuchtete Svanvithe die Wände der Höhle ab. Und tatsächlich, an der Wand, wo der Thron gestanden hatte, fand sie einen Spalt im Fels. Hier zwängte sie sich hindurch. Der Tunnel war anders als die Treppe natürlichen Ursprungs. Er führte erst hinab in die Tiefe und während sie unter dem See hindurchlief, tropfte es von den Wänden und der Decke. An einigen Stellen musste sie sich durch enge Spalten quetschen, einmal steckte sie für kurze Zeit fest und riss sich so heftig los, dass sie sich einen Schnitt am Oberschenkel zuzog. Ihre Fackel erlosch und sie tastete sich an den Wänden voran, bis sie Licht schimmern sah. Der Gang endete im Wald außerhalb der Insel. Erleichtert trat sie aus dem Tunnel, an dessen Ende sie die ersten Sonnenstrahlen des Tages begrüßte.
Svanvithe markierte einen nahen Baum mit ihrem Schwert, um den geheimen Tunnel später wiederzufinden. Sie holte ihr Pferd von der Insel, kroch noch zweimal in die Höhle zurück und füllte die Satteltaschen mit Gold. Der Schatz in der Halle schien nicht weniger zu werden. Noch immer türmte er sich hoch auf.
Sie schwang sich in den Sattel und lenkte ihr Pferd zurück zur Burg der Fürstin, dabei hielt sie nur an, wenn es unbedingt nötig war. Trotzdem brauchte sie beinah so viele Tage wie auf der Hinreise. Als sie in den Hof ritt, herrschte dort reges Treiben. Sie nahm die Menschen kaum wahr, dafür erblickte Bartel sie sofort und geleitete sie in ihre Kammer.
„Ich habe es geschafft. Melde es der Fürstin, ich habe es geschafft“, murmelte sie, bevor sie vor Erschöpfung auf den Boden fiel.
Als sie wieder erwachte, war ihr Arm sorgsam bandagiert und die Wunde in ihrem Gesicht versorgt. Trotz ihrer Verletzungen sprang sie aus dem Bett und eilte sofort zur Fürstin Ruth.
„Svanvithe, ich bin so glücklich, dass du es geschafft hast. Ich sehe, du hast hart gekämpft“, begrüßte die Frau sie, dieses Mal lächelte sie sogar. Svanvithe hob grüßend die Hand und verzog das Gesicht, als ihr Arm schmerzte. „Ja. Aber ich habe es geschafft, nur das zählt. Wer hat mein Pferd …?“
„Mach dir keine Sorgen. Ich habe Bartel sofort deine Satteltaschen holen lassen. Wir haben den Söldnern dein Gold gezeigt und ihren Anführer bezahlt. Sie sind bereit, mit dir zu ziehen. Das Gold wird noch mehr von ihnen anlocken. Deine Armee wird in den nächsten Tagen ausreichend wachsen.“
Svanvithe atmete erleichtert aus. „Habt vielen Dank, meine Fürstin. Für alles.“
„Ich habe natürlich einen Teil für mich einbehalten. Kosten für die Versorgung der Männer der letzten Tage, die Boten, die deine Nachricht verbreitet haben … du verstehst.“
Die junge Frau lächelte. Etwas anderes hätte sie von ihrer Herrin auch nicht erwartet.
„Und nun solltest du dich noch etwas erholen. Doch warte nicht zu lange. Prinz Jacek zieht den Ring immer enger um deines Vaters Burg. Ich schlage vor, du brichst in spätestens drei Tagen auf.“


Die Belagerer wussten nicht, wie ihnen geschah. Svanvithe und ihre Söldner überraschten sie. Sie kannte keine Gnade und ließ alle töten. Während die Söldner den Kampfschauplatz plünderten, zog Svanvithe mit dem Hauptmann der Söldner, Bennek, und einer Handvoll Krieger in die Burg ein. Die Wache am Tor hielt sie für Verbündete aus Sydamak und ließ sie herein. Er erkannte sie nicht, aber es versuchte auch niemand, sie aufzuhalten, als sie sich den Weg zum Thronsaal bahnte. Als sie ihren Vater auf dem Thron sah, erschrak sie. Die letzten Jahre hatten ihn stark altern lassen. Seine Haare und sein Bart waren grau und dünn, die Wangen eingefallen und er saß zusammengesunken auf dem Thron. Für einen schrecklichen Moment erinnerte er sie an König Alrik. Er hob den Kopf, als sie den Saal betrat.
„Svanvithe?“, fragte er heiser. Sie verstand, warum er so ungläubig schaute. Ihre ehemals blonden wallenden Haare reichten nur noch bis auf die Schultern. Sie trug ein Lederwams mit metallischen Applikationen, einen Schild und das Schwert, das einst über dem Thron hing. Die Wunde, die der Hund mit seiner Kralle ihr im Gesicht beigefügt hatte, verheilte langsam, würde aber eine lange Narbe von der Augenbraue bis zum Kinn hinterlassen.
„Vater“, sagte sie kurz. „Wie ich sehe, hast du ganze Arbeit geleistet, mein Reich an Jacek abzutreten. Aber keine Sorge, das wird sich nun ändern.“
„Svanvithe, wie …? Was ist geschehen? Ich dachte, du wärst tot!“
Mit festem Blick fixierte sie die beiden Wachen neben dem Thron.
„Führt ihn hinauf in seine Kammer. Ich benötige Ruhe, um meinen nächsten Schlachtzug zu planen. Die Gebiete an der Küste müssen wir unbedingt zurückholen. Helfried, verkünde allen, dass Prin … Königin Svanvithe zurück ist.“
Die Männer zögerten nur kurz, dann befolgten sie ihren Befehl. Ihr Vater wehrte sich nicht, aber sprach mit weinerlicher Stimme: „Nein, meine Tochter, nicht! Ich hatte doch keine Wahl! Nachdem, was du getan hattest, und Prinz Jacek war mir einfach überlegen …“
„Sei still jetzt. Ich habe keine Muße, mich mit dir zu unterhalten. Nur eines: Du hättest um dein Königreich kämpfen können, so wie ich es tat.“
Mit diesen Worten setzte sie sich auf ihren Thron.
Bennek stellte sich neben sie und fragte: „Was wollt Ihr tun, nachdem Ihr eure Ländereien zurückerobert habt, Königin Svanvithe?“
„Keine Sorge, für deine Männer wird es genug Arbeit geben. Vielleicht statten wir Jacek einen Besuch ab und sie haben die Möglichkeit, sich ein Stück Land zu verdienen.“ Sie grinste. „Oder wir besuchen einen alten Freund von mir. Was weißt du über das Land Sydamak?“