Einmal Gamer, immer Gamer

Seit über einem Jahr habe ich immer wieder davon geredet, mir endlich einen neuen PC zu kaufen. Dieses Jahr ist mein alter schließlich fünf geworden: die eine oder andere Macke, ewige Ladezeiten und die Grafik war auch nicht mehr überzeugend. Trotzdem habe ich die Entscheidung, in einen Neuen zu investieren, einige Zeit vor mich hergeschoben. Ich habe mehr Hobbys als Gaming. Zeichnen und Malen, Lesen und Schreiben, meine Pen & Paper Runden planen, das sind alles zeitintensive Interessen. Genau das war auch der Grund, warum ich so lange gezögert habe, mir einen neuen Gaming-PC zuzulegen. Ich muss mir Mühe geben, meinen Hobbys ausreichend Zeit zu widmen, also mir fest vornehmen: »Jetzt schreibst du noch das Kapitel zu Ende, dann kannst du spielen.« Ich glaube, ich bin damit nicht alleine. Es ist eben so viel einfacher, den Knopf am Gehäuse zu drücken, ein Spiel zu starten und in der virtuellen Welt zu versinken, als sich am Abend aufzuraffen, um noch kreativ zu werden.

Spielekind? Eigentlich schon immer

Nun war ich aber schon immer ein Gamer. Hier passt ein »wie alles begann« gut: Ich weiß nicht mehr, wann genau es war, ob in der ersten Klasse oder schon, bevor ich zur Schule ging, aber einmal in der Woche hatte mein Vater sich mit mir und meinem kleinen Bruder hingesetzt und an seinem Computer gespielt. Snake. Am PC. Ja, lacht nur. Aber das muss der Anfang gewesen sein, und nicht wie bei so vielen anderen der Gameboy zu Weihnachten. Nach unserem Umzug in die brandenburgische Pampa stand der PC nicht mehr im Schlafzimmer meiner Eltern, sondern im Wohnzimmer. Und dann brachte Papa Diablo I mit nach Hause. Darfste auch keinem erzählen, dass mein Bruder das gespielt hat, bevor Mama ihn in den Kindergarten brachte und dann seinen Charakter weiter levelte. Oder ich das zockte, bevor ich englisch konnte (gab es den ersten Teil je auf deutsch? Keine Ahnung). Und mich noch erinnere, wie ich das erste Mal vom Butcher getötet wurde und dann stundenlang auf an harmlosen Monstern grindete, bevor ich mich wieder zu ihm getraut habe.

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Ich heul ja gerne rum, dass ich nie eine Konsole besessen habe, und all die schönen Spiele von damals gar nicht kenne. Aber eigentlich habe ich keinen Grund dazu. Als mein Bruder und ich wie unsere Nachbarn einen N64 haben wollten, sagte Papa nur: »Konsole? Damit kann man doch nichts machen. Wünscht euch lieber einen Computer, da lernt ihr auch was mit.« Also bekam ich zu meinem zwölften Geburtstag meinen ersten Computer. Awesome. Ein uraltes Teil mit Windows 3.11 für … naja, alles, was sich man auf Disketten halt so spielen konnte. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wann ich meinen zweiten und dritten PC (der mich noch einen Teil meines Studiums begleitete) bekam. Spiele, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, sind Monkey Island 3, DSA-Rollenspiele, ein Emulator für Yoshi’s Story, Prince of Persia ( nicht die ganz alte Version), ein Herr der Ringe Actionspiel, Might and Magic VII, Batllefield ( mein erster Shooter), natürlich Vampires Bloodlines und später dann Diablo II und Guild Wars. Die meisten Spiele habe ich mit meinem Bruder zusammen gespielt oder ihm einfach nur zugesehen. Er zockte, ich gab Tipps und zeichnete dabei. Bei Diablo II hatte einer von uns die Maus gesteuert, während der andere für die Heiltränke zuständig war. Diablo II stellt für mich noch mal einen besonderen Meilenstein dar. Mein Bruder und ich entdeckten das Spiel erneut für uns, als wir, jeder mit einem eigenen PC ausgestattet, nun auch noch Internet in unsere Zimmer bekamen. Das muss so 2006 gewesen sein. Damals. Ganze Wochenenden haben wir dann online verbracht, die Zimmertüren geöffnet und über den Flur gebrüllt, um uns zu verständigen. Irgendwie haben unsere Eltern das weggesteckt, aber vermutlich, weil sie selbst auch immer gespielt haben. Diablo II war also mein (später) Einstieg ins Online-Gaming. Zu meinem Abi fingen mein Bruder und ich dann mit Guild Wars an. Dank des Gildensystems kamen dann auch Headsets und TS dazu. Das Spiel konnte mich über Jahre begeistern, seit Jahren unterhält mich der Nachfolger.

Warum ich wohl immer wieder Zocken werde

Aber es ist nicht nur das Spielen. Heute spiele ich so gut wie nur noch online. SinglePlayer-Spiele können mich nicht lange begeistern, vielleicht, weil ich sie wirklich ganz allein zocken muss und nicht wie damals mit meinem Bruder. Ich liebe das Zusammenspiel. Sowohl die taktische Seite bei Left4Dead2 und Overwatch, als auch das gemütliche Daddeln am Abend. Manchmal will ich nur da sitzen, quatschen, zocken und dann wiederum besser sein als meine Gegenspieler oder anspruchsvollen Content meistern. Und wenn ich online spiele, dann bin ich fast immer dazu im TS. Es sind nicht nur Mitspieler, die ich aus dem Real Life kenne, nein, auch fremde Leute, mit denen ich eine Leidenschaft teile und von denen einige zu meinen Freunden wurden. Es ist manchmal ein wenig so, wie sich in der Bar zu treffen, um bei einer Runde Billard zu quatschen. Nur, dass ich keine Hosen anziehen brauche.

Und als sich kurz vor der Bestellung meines neuen PCs die Grafikkarte meines Alten verabschiedete, habe ich gemerkt, wie es mir fehlen würde, zu spielen. Mit anderen zusammen. Ich lege gerne auch mal eine Pause ein, wenn ein Spiel oder allgemein der abendliche Rhythmus mich nervt. Ich hatte mich schon vor den zwei Wochen »Zwangspause« entschieden, einen neuen Computer zu kaufen, aber jetzt weiß ich auch wieder sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Und nun entschuldigt mich, ich muss spielen.

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