“Ich werde tun, was Königinnen tun. Ich werde herrschen!”

Bei Spielen zu bekannten Franchises bin ich zuerst immer skeptisch, weil ich den Generalverdacht habe, hier wird versucht, ein mittelmäßiges Spiel mit Hife eines bekannten Namen zu verkaufen. Zum Glück wird meine Befürchtung hier nicht bestätigt. Zu Weihnachten hatten mein Bruder und seine Frau das Kartenspiel »Game of Thrones – Der Eiserne Thron (2. Edition)« geschenkt bekommen und schon einige Runden zu zweit, im sogenannten Tjost, gespielt. Nun wollten sie mit mir das Buhurt-Format (für bis zu sechs Spieler) testen. Es war eine spannende Partie, in der ich Haus Stark knapp zum Sieg führen konnte und nun wohl Königin von Westeros bin. Die Krönung ist nächste Woche, ihr seid alle eingeladen. Es gibt Zitronentörtchen und einen Schattenwolf-Streichelzoo (Betreten auf eigene Gefahr).

Bei »Game of Thrones – Der Eiserne Thron« handelt sich um ein Living Card Game, dass im Gegensatz zu Collective Card Games (wie z. B. Magic the Gathering) zwar auch zusätzliche Kartenpackungen anbietet, diese aber immer den gleichen Inhalt haben. Ob man die Spannung und Enttäuschung zufälliger Booster vermisst oder drauf verzichten kann, muss jeder selbst entscheiden. Living Card Games bieten eben den Vorteil, dass alle Spieler für dasselbe Geld dieselben Voraussetzungen haben. Zum Deckbau an sich kann ich nichts sagen, da wir (bisher) nur das Grundspiel mit vorgefertigten Decks gespielt haben. Dabei wurde schon deutlich, dass die verschiedenen Häuser auf unterschiedliche Taktiken bauen.

Game of Thrones Kartenspiel
Das Grundspiel mit den vier vorgefertigten Starterdecks

Erster Eindruck

Die Gestaltung der Karten ist sehr gelungen. Die Illustrationen sind an die Bücher angelehnt und nicht an die Serie und sind meiner Meinung nach gut getroffen. Bei mehr als einem Charakter musste ich ausrufen: »So habe ich mir den vorgestellt beim Lesen!« Die Zitate auf den Karten sorgen für eine GoT-Atmosphäre. Allgemein wurde das Spiel sehr stimmig gestaltet. Das fängt bei der Bezeichnung des Spielformats an (»Tjost« oder »Buhurt«), tappen und enttappen heißen hier »beugen« und »aufrichten« und der Kampf um den Eisernen Thron wird durch militärische Stärke ebenso wie durch Intrigen geführt. Diesen Kampf führen die sieben Häuser Stark, Lennister, Baratheon, Targaryen, Graufreud, Tyrell, Martell sowie die Nachtwache. Jedes Kartendeck umfasst 60 Karten sowie sieben Strategiekarten; mit den vorhandenen Karten des Grundspiels lassen sich zeitgleich vier Decks zusammenstellen.

Game of Thrones Kartenspiel
Charaktere und Orte des Sets Stark & Graufreud

Spielablauf

Der Ablauf ähnelt dem bekannter strategielastiger Zwei-Spieler-Karten-Spielen. Ziel des Spiels ist es, 15 Siegpunkte, hier »Machtmarker« genannt, für sein Haus zu gewinnen. Jede Runde ist in unterschiedliche Phasen unterteilt, die jeder Mitspieler nacheinander abhandelt. Anfangs wählen alle verdeckt eine Strategiekarte. Diese gibt an, wie über viel Gold, Initiative und Schaden das Haus verfügt und haben einen besonderen Effekt, wie Mitspieler verlieren Gold, verursachen weniger Schaden usw. Hier rächt sich, wer sein Kartendeck nicht kennt: Ich habe erst im späteren Spielverlauf meine starken Lords gezogen, hatte aber keine Strategiekarten mehr, die mir genug Gold verschafften, um sie aufmarschieren zu lassen. Der Spieler mit der höchsten Initiative bestimmt den Startspieler; es hat sowohl Vor- als auch Nachteile die Runde zu beginnen und hier muss gut geplant werden. Im Buhurt-Format werden nun noch verdeckt der Reihe nach die Titelkarten gewählt. Durch diese werden die Rollen des kleinen Rats wie »Meister der Münze« verkörpert. Titel bringen für eine Runde bestimmte Vorteile, verhindern aber auch, dass man ein anderes Ratsmitglied angreifen kann. An dieser Stelle pokert man mit seinen Mitspielern: Welchen Titel wähle ich? Welche überlasse ich den anderen zur Auswahl? Welchen werden sie nehmen und wen kann ich dann herausfordern oder wer mich?

Game of Thrones Kartenspiel
Spielaufbau bei drei Spielern

In der darauf folgenden Aufmarschphase spielt man seine Handkarten: Charaktere, Orte und Verstärkungen. Orte sind Ressourcen, Verstärkungen sind an einzelne Charaktere anlegbar und Charaktere verfügen über bestimmte Werte und Fähigkeiten, mit denen sich Kämpfe (»Herausforderungen«) austragen lassen. Ein Charakter hat einen Stärkewert, der für alle drei Herausforderungsarten gilt. Die Herausforderungsarten werden durch Symbole dargestellt: Militär, Intrige und Macht. Ein Charakter kann nur an den Herausforderungen teilnehmen, wenn er über das entsprechende Symbol verfügt. Der Startspieler benennt seine Charaktere und die Art des Kampfes sowie seinen Gegner. Dieser kann seine Charaktere für die Verteidigung bestimmen und Ereigniskarten spielen. Nach einem Vergleich der Kampfkraft kommt es je nach Herausforderungsart zu anderen Folgen für den Verteidiger, sofern er verliert: Bei einer Militärherausforderung stirbt ein Charakter, bei Intrige legt er eine Handkarte ab, bei Macht übergibt er einen seiner Machtmarker. Als Startspieler sieht man sich nur ungebeugten Kämpfern gegenüber, wenn man als letzter Spieler agiert, ist es möglich, unverteidigt durch die Reihen der anderen Spieler zu rennen – sofern man denn noch eigene zum Angriff übrig hat.
In den abschließenden Phasen werden noch Machtmarker für nicht gebeugte Charaktere vergeben, alle Karten wieder aufgerichtet, alles Gold abgegeben und die Handkarten reduziert. Es ist also nicht möglich, sein Gold für die nächste Runde zu sparen. Nicht, dass ich als armer Stark je etwas übrig hatte, trotzdem sorgt es für ein gewisses Tempo im Spiel. Sonderfertigkeiten der Karten werden meist auf den Karten selbst erklärt, sind aber auch ausführlich im Referenzbuch aufgeführt.

Fazit

Ich führte ja bereits aus, dass mir das Spiel von der Aufmachung her sehr gefällt. Die Qualität von Karten und Markern ist ebenfalls gut und der Preis für den Umfang des Spiels sehr fair. Ich empfand die Häuser durch die unterschiedlichen Strategien als ausgeglichen. Oder wie mein Bruder es formulierte: »Also ich habe schon mit jedem Deck gewonnen.« Als Magic-Spieler waren mir die Standard-Decks zu sehr zufallsbasiert, da jede Karte nur einmal enthalten war. Beim freien Deckbau darf sie jedoch bis zu dreimal vorkommen. Sicher bietet »Game of Thrones – Der Eiserne Thron« Abwechslung für einige Wiederholungen, doch langfristig wird man um Erweiterungen nicht herum kommen, vor allem, wenn man eigene Decks bauen möchte.
Das Kartenspiel ist sehr strategielastig und erfordert eine weitsichtige Planung, um die Karten sinnvoll ausspielen zu können und ist somit nicht unbedingt für Einsteiger zu empfehlen. Der Spielablauf mit den einzelnen Phasen ist anhand der Grafik in der Anleitung gut nachzuvollziehen und die meisten Kartentexte sind selbsterklärend, einfach und eindeutig formuliert.
Besonders gut hat mir die Umsetzung des Mehrspielerformats gefallen, die ich so noch bei keinem anderen Kartenspiel gesehen habe. Durch die Titelkarten, die den Angriff auf einzelne Spieler verhindern, wird ein wildes Jeder gegen Jeden oder ein Zwei gegen Einen zumindest für einzelne Runden verhindert. Dass ich mich trotzdem für die Dauer des Spiels mit meiner Schwägerin verbündet habe, um meinen Bruder zu besiegen, ist nur der Tatsache geschuldet, dass er sonst immer gewinnt, sofern man ihn nicht von Beginn an klein hält. Dafür habe ich meine letzten Machtmarker erhalten, in dem ich ihr in den Rücken gefallen bin – also ganz im Sinne der Adelshäuser von Westeros gekämpft habe.

Game of Thrones – Der eiserne Thron. Das Kartenspiel 2. Edition
Nate French, Eric M. Lang, Fantasy Flight Games, ca. 30€

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