Einblick: Die Geschichte meines DSA-Charakters

Die Werte auf dem Charakterbogen bilden die Grundpfeiler für einen Pen & Paper Charakter. Womit der Spieler ihm aber Leben einhaucht und die Grundlage für ein authentisches Rollenspiel bildet, ist sein Hintergrund und seine Geschichte. Ich habe hier bereits Tipps zur Erstellung eines Charakters aufgelistet, so dass ich jetzt einmal zeigen möchte, wie es in der Praxis aussehen kann. Mir hilft es, meine Charaktere möglichst genau auszuarbeiten. Mir aufzuschreiben, was sie bis zum Start des Abenteuers erlebt haben, macht es einfacher zu entscheiden, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren werden. Das Regelwerk vom Schwarzen Auge (ich spiele noch Version 4) bietet 20 Fragen, mit deren Hilfe der Spieler seinen Charakter definieren kann.
Bisher wollte jeder Spieleleiter einen mehr oder weniger ausgearbeiteten Lebenslauf der teilnehmenden Charaktere lesen. Denn für ihn sind sie ebenfalls wichtig – er kann sehen, ob der Spieler in seiner Rolle bleibt oder Figuren und Ereignisse aus deren Vergangenheit in die Geschichte einbauen. Der Lebenslauf kann einfach nur aus Stichpunkten bestehen, einer kurzen Auflistung einschneidender Erlebnisse oder auch aus einer Kurzgeschichte, die ein Schlüsselereignis oder die Entscheidung des Charakters beschreibt. Meine DSA-Scharlatanin Caleya saba Nadir habe ich die Fragen in Form eines Interviews beantworten lassen, das ihr Wesen sehr gut widerspiegelt, wenn sie auch nicht alles im Detail ausführt.

Ein Charakter, sieben Seiten Charakterbogen. Man muss DSA einfach lieben.

„Der Aventurische Bote“ führte ein ausführliches Interview mit Caleya saba Nadir, einer Zahori, die sich bald mit einer heldenhaften Gruppe durch Aventurien schlagen wird.

Die Götter zum Gruße Caleya!

Sei gegrüßt!

Könntest du dich einmal kurz für unsere Leser beschreiben? Wie siehst du aus?

Nun, ich bin für eine Zahori recht groß, bin gut gebräunt, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, wo ich lebe. Und schließlich bin ich kein Stubenhocker! Meine Augen sind sehr dunkel, nahezu schwarz, genau wie meine Haare. Die locken sich weit den Rücken hinunter, ich kann sie kaum bändigen, so viele sind es. Deshalb versuche ich, sie durch mein Stirnband ein wenig zurückzuhalten, das klappt aber auch nicht sonderlich gut! Man sieht mir denke ich an, dass ich viel in Bewegung bin – aber ohne festen Wohnsitz bleibt mir kaum etwas anderes übrig.

Was meinst du, denken die Leute von dir, wenn sie dich das erste Mal sehen? Wie wirkst du auf Fremde?

Wenn ich mit meiner Sippe reise, erkennen sie uns schnell als Zahori – der Adel vertreibt uns, sofern er  nicht unsere Dienste in Anspruch nimmt. Einfache Menschen halten mich für eine Magierin, denn ich sage ihnen die Zukunft voraus und zeige ihnen wahre Magie auf der Bühne. Sie lacht. Viele sind mir gegenüber sehr misstrauisch, aber ich verstehe das nicht. Ich nehme mir nur, was mir nach den Geboten der Gastfreundschaft zusteht. Aber ich fürchte, so viele können nicht teilen …
Ich bemerke auch immer öfter bei meinen Auftritten, dass viele Männer von meiner Art, ihnen zu zuzwinkern und sie anzulächeln, schlichtweg begeistert sind und böse Blicke ihrer Frauen in Kauf nehmen müssen.

Wie bist du aufgewachsen?

Auf die beste nur denkbare Art und Weise! In meiner Sippe, die mir alles bedeutet. Geschlafen habe ich meinem Planwagen oder unter den Sternen, ich war geborgen und wurde geliebt. Es war ein Leben auf Reisen, den all zu strengen Gesetzen ausweichend und immer der Nase nach. Schon früh stand ich auf der Bühne, um akrobatische Kunststücke aufzuführen, bis ich dann mein Talent zur Weissagung entdeckt habe. Willst du deine Zukunft erfahren? Das kostet aber!

Hast du noch eine enge Bindung zu Menschen aus deiner Jugend?

Natürlich! Ich bin meiner Sippe bis über den Tod hinaus verbunden. Meine drei Schwestern liebe ich besonders. Immer sehr nahe gestanden hat mir meine Tante, unsere Mhanach, die mich immer beschützt hat. Und Dank schulde ich Eilaf, der mir Thorwalsch beibrachte. Aber keinen von denen habe ich in letzter Zeit gesehen. Doch ich würde alles für sie geben!

Warum bist du zum Abenteurer geworden?

Ich habe mich entschlossen, meine Sippe verlassen, um sie zu schützen – der einzige Grund neben Verbannung, den ich mir denken kann. Aber wo ich nun schon mal unterwegs bin, kann ich mir Teile Aventuriens anschauen, an die wir vielleicht nie gekommen wären. Und Menschen und Wesen treffen, deren Freundschaft ich erlangen kann. Aber ich werde zu ihnen zurückkehren, sobald sie mich brauchen und die Gefahr vorbei gegangen oder … ausgeschaltet wurde.

Wo bist du schon gewesen?

Überall dort, wo meine Sippe entlang gezogen ist. Ich führe doch keine Weltkarte mit mir herum!

Bist du sehr götterfürchtig?

Was bedeutet schon sehr – wenn die Götter mir zulächeln, lächle ich zurück.

Wie stehst du zur Zauberei?

Ah. Finde ich herrlich! Erleichtert mir einiges im Leben. Doch manchmal ist es besser, denke ich, wenn nicht jeder weiß, wie weit die eigenen Fähigkeiten reichen. Gildenmagier, pah. Man braucht keine kostspielige jahrelange Ausbildung an der Akademie! Es reichen durchaus auch Lehrer in verwandten Sippen, die einem den einen oder anderen Kniff lehren.

Für wen oder was würdest du dein Leben riskieren?

Meine Schwester. Meine Tante. Eilaf. Den Rest meiner Sippe. Jedem Zahori, der nicht zu den Ausgestoßenen gehört. Und natürlich Arina, denn sie ist im Moment meine ganze Sippe.

Was ist dein größter Wunsch?

Zu meiner Sippe zurückkehren zu können, ohne, dass wir oder ich in irgendeiner Art verfolgt werden.

Was fürchtest du mehr als alles andere auf der Welt?

Ausgestoßen zu werden und den Halt der Sippe für immer zu verlieren – denn ich spüre im Moment, wie es sich anfühlen muss.

Wie sieht es mit deiner Moral und Gesetzestreue aus?

Moral ist so biegsam wie der Körper eines Schlangenmenschen. Gesetze? Wofür wurden sie gemacht? Schützen sie mich vor dem Adel? Das einzige Gesetz, das ich achte, ist das der Gastfreundschaft.
Doch ich möchte keinen Ärger oder meine Sippe und Freunde in Gefahr bringen, solange ich unterwegs bin, also passe ich mich den Verpflichtungen des Ortes an, an dem ich verweile – bis ich weiterziehe.

Bist du Fremden gegenüber aufgeschlossen?

Wenn sie um Gastfreundschaft bitten, werde ich es nicht abschlagen. Doch ich darf nicht vergessen, dass ich jetzt zu den Verfolgten gehöre – wer könnte nicht alles zu meinen Verfolgern gehören? Wer mich gut behandelt oder von wem ich etwas möchte, zu dem bin ich freundlich. Freundschaft wird mit Freundschaft, Hass mit Hass begegnet und für Verbrechen an Sippe und Freunden werde ich grausame Rache üben, bei der sich mir niemand in den Weg stellen darf!

Welchen Stellenwert hat Leben für dich?

Wer mich achtet, den achte ich. Ich würde nie ohne Grund töten, doch Gründe zu töten gibt es viele. Leben gilt es zu schützen, denn jeder von uns kann von der Willkür des Adels getroffen werden. Wem ich aber Rache geschworen habe, kann sich auf einen langsamen und schmerzhaften Tod einstellen.

Wie stehst du zu Tieren?

Kann man essen, muss man aber nicht.
Wenn ich ein weißes Pferd wiehern höre, schäme ich mich, denn ich habe einen Fehler gemacht, den ich nicht bemerkt habe, alle anderen aber schon. So sagten es schon meine Vorfahren!

Hast du einen Sinn für Schönheit?

Natürlich! Schönheit kann blenden, und mit Blendwerk arbeite ich. Schönheit ist ein Werkzeug, aber in ruhigen Momenten kann ich sie genießen. Der Anblick eines anmutigen Tanzes, ein gemeinsames Musikstück, der Anblick eines stolzen Pferdes oder der knackige Hintern eines Mannes – auf all das möchte ich nicht verzichten!

Was isst und trinkst du am liebsten?

Mit einer Pfeife Cheryacha-Kraut schmeckt alles! Beim Essen und Trinken zählt die Gemeinschaft, alles, was dich umgibt, und nicht, was auf deinem Teller liegt! Karge Zeiten bin ich gewohnt, denn nicht alle Menschen sind gleich freigiebig, also schlage ich zu, wo es sich ergibt.

Wie sieht es mit der Liebe aus?

Wenn ich liebe, gibt es in dem Moment nichts anderes mehr für mich. Doch die Lebensweise der Zahori scheint sich nicht für länger haltende Liebschaften zu eignen. Wir kommen und gehen, teilen eine Weile unsere Leben bedingungslos miteinander – doch so leicht die Leidenschaft entbrennt, kann sie wieder verschwinden und jeder zieht seines Weges. Tief im Inneren träume ich davon, einmal jemanden zu finden, mit dem ich den Rest meines Lebens teilen kann. Aber sag’s nicht weiter! Sie zwinkert.

Gibt es ein dunkles Geheimnis aus deiner Vergangenheit?

Ich habe meiner Schwester einst ein Kopftuch gestohlen und wollte es ihr nicht wiedergeben. Ich habe es immer noch.
Aber sonst? Nicht, dass ich wüsste. Ich kann zaubern, besitze die Gabe der Voraussicht und werde von einem tödlich gekränkten Adelsjungen verfolgt. Nichts Ungewöhnliches also.

Welche Charakterzüge bestimmen dich?

Ich bin impulsiv – aber ich habe gelernt, dass überschnelles Handeln mich in Gefahr bringen kann. Ich bin leidenschaftlich und lebe den Augenblick, denn ich weiß nicht, ob das was folgt, besser oder schlechter wird. Starke Gefühle beherrschen mich – ob es nun Liebe oder Rache ist, die mich treibt. Ich weiß, dass nicht alle Bewohner Aventuriens damit umgehen können, also versuche ich mich zu verstellen. Ich gebe mich geheimnisvoll, denn das ist es, was von mir und meiner Bestimmung, eine Seherin zu sein, erwartet wird. Es gibt keinen Mittelweg – ich liebe oder ich hasse. Nur kurzfristig kann ich etwas anderes akzeptieren, wenn es zu meinem Besten ist. Bewundert auf der Bühne bei magischen Spielereien, ehrfürchtig verehrt für meine Gabe, das ist es, was ich sein will – über alle Standesgrenzen hinaus. Schauspielerei ist keine Sache, die ich nur zur Unterhaltung anderer vorführe, sonder sie ist es, dir mir das Leben rettet, wenn ich mich an die Erwartungen in einer unbekannten Umgebung anpassen kann, ohne meine waren Gefühle zu verraten.

Vielen Dank, dass du dir soviel Zeit für unsere Fragen genommen hast!

Eine meiner leichtesten Übungen!
Ähhh … das wird doch jetzt nicht etwa gedruckt und von anderen gelesen, oder!?

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