Lieblingsfestival Hörnerfest

Ich erwähnte ja schon mal, dass ich ein Lieblingsfestival habe. Seit 2009 (okay, 2014 war ich auf keinem Festival) fahre ich aufs Hörnerfest hinter Hamburg, irgendwo janz weit draußen. Es ist einfach nur entspannt und ja, hier trifft mal diese Klischee-Beschreibung von der »familiären« Atmosphäre zu. Zum Teil liegt das sicher daran, dass dieses Festival im Garten des Veranstalters stattfindet, und das wortwörtlich: Die Bühne steht im hinteren Teil des Grundstücks, in den Garagen wird der Merch verkauft und auf seiner Terrasse das Bier. Das habe ich noch nirgends anders erlebt. Und er funktioniert so verdammt gut. Die Besucher und die Crew sind immer entspannt, ernste Zwischenfälle habe ich noch nie beobachtet.
Zum Gelände gehört mittlerweile auch ein kleiner Mittelaltermarkt samt Marktbühne für Gaukler oder die Feuershow. Das interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht mehr, aber dafür konnte ich dieses Jahr Schafe sehen. Schafe!

Die Schafe müssen auch mal spazieren gehen.
Die müssen auch mal spazieren gehen.
Cuteness overload.
Cuteness overload.

Donnerstag

Den Anreisetag nutzte Murphy, um uns noch einmal so richtig ans Bein zu pinkeln: auf den Mietwagen mussten wir eine Stunde warten und bekamen doch den falschen, ich hatte Cider bestellt, der dank der Unfähigkeit von UPS beim Nachbarn stand, Berlin war wirklich voll, aber kein Vergleich zu Hamburg und vorm Gelände wurden wir noch vom Zoll rausgezogen. Immerhin konnte ich das letzte bisschen Rest-Netz für die nächsten Tage nutzen, um meiner Mutter ein Bild vom Drogentest meines Bruders zu schicken.
Das Gelände war schon schlammig, aber das Auto konnten wir noch am Zelt parken, bei unseren Hamburger Zeltnachbarn vom letzten Jahr. Vielen Dank noch mal für Alles, vor allem für den Cider.

Freitag

Der erste Tag war eigentlich ein typischer Festivaltag. Ich habe alle Leute begrüßt, die ich über die Jahre dort oder auf anderen Veranstaltungen getroffen habe (ich bin immer wieder erstaunt, wie viele das mittlerweile sind), bin nachts noch über das Gelände gelaufen und habe einfach genossen, wieder da zu sein und habe bis spät um drei Diskussionen mit unseren betrunkenen Zeltnachbarn geführt.
Deshalb konnte ich den Freitag entspannter angehen. Zwei Bands am Tag reichen ja wohl auch. Da ich kaum noch Mittelalter-Gedudel höre, fällt sowieso schon die Hälfte potentieller Aufttritte für mich weg. Dasselbe gilt für schlechten deutschen Pagan-Metal. Blieben also noch Grimner und Skyforger. Grimner sind so großartige nette Leute, denen man immer wieder ihre Freude am Spielen ansieht. Musikalisch ist sicher noch Luft nach oben, aber ich kann mich einfach von ihrer Laune mitreißen lassen.

Grimner live @ Hörnerfest 2016
Grimner live @ Hörnerfest 2016

Und dann noch Skyforger: Während gerade die alten Alben so klingen, als hätte man sie mit einem Kassettenrekorder in der Garage aufgenommen, sind ihre Stimmen live einfach der Hammer. Große Liebe dafür.

Skyforger live @ Hörnerfest 2016
Skyforger live @ Hörnerfest 2016

Eigentlich ein gemütlicher Tag, aber mit Schattenseiten: Das gesamte Gelände war mittlerweile schon ziemlich durchweicht. Leider nicht nur von Regenwasser und der Schlamm begann an der Auffahrt einen wirklich unangenehmen Geruch zu entwickeln. Normales Wetter kennt das Hörnerfest übrigens nicht. Entweder wird man gekocht oder weggespült. Zuverlässig im jährlichen Wechsel. Außerdem hatten wir Nachbarn mit einem Party-Pavillon. Jeder Festivalgänger weiß, was das bedeutet. Gegen zwei Uhr haben sie tatsächlich ihren Generator ausgemacht, aber sie hatten genau eine Playlist: etwas weichgespülten Rock, drei Songs von Saltatio Mortis und Mr. Hurley und die Pulveraffen ICH BIN BLAU WIE DAS MEER. Den ganzen Tag über. Anfangs sangen wir noch mit, dann löste die Liedzeile bei uns so eine Art Kriegs-Flashback bei uns aus.

Samstag

Am nächsten Tag war das Wetter immer noch durchwachsen. Regenschauer und Sonne wechselten sich ab. Wir beschlossen, unsere Zelte schon abzubauen, damit wir die Regenbögen besser sehen konnten. Außerdem waren sie zwischendurch einmal trocken. Die Party-Nachbarn erhörten unsere Gebete und hatten noch eine andere Playlist gefunden. Wie war das mit diesem Fluch: »Mögen all deine Wünsche in Erfüllung gehen«? Es war irgendwelches Hiphop-Geschranze.
Ich ging also Dalriada anschauen. Wäre sicherlich besser gewesen, wenn nicht so viel vom Band gekommen wäre, aber war ganz nett anzusehen. Vor allem, weil sich niemand vom Regen beeindrucken ließ.

Fick dich, Regen. Dalriada live @ Hörnerfest 2016
Fick dich, Regen.
Dalriada live @ Hörnerfest 2016

Da der Campingplatz direkt gegenüber der Bühne nicht ganz durchweicht war, wollten wir das Auto umparken. Ich habe gar nicht erst versucht, durch den zentimetertiefen Schlamm zu fahren, sondern mich gleich von einem der beiden Trecker rausziehen lassen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass am Sonntag es jemand ohne Hilfe geschafft hat.

Die sind auch nicht weit gekommen...
Die sind auch nicht weit gekommen…

Zum Abschluss gab’s noch einen Finntroll-Auftritt, auf den ich mich sehr gefreut habe, einfach weil’s die Band ist, wegen der ich anfing, Metal zu hören. Vor gut zehn Jahren. Hach. Leider war der Aufbau und Soundcheck ebenso lang wie bei Haggard 2015, sodass die Trolle erst eine Stunde später als angekündigt spielten. Das Warten hat sich gelohnt, und ich habe die nächsten Tage immer mehr und mehr blaue Flecke bei mir entdeckt.

Finntroll live @ Hörnerfest 2016
Finntroll live @ Hörnerfest 2016

Danach ging’s (zum Glück problemfrei) nach Hause nach Berlin. Dieses Jahr war das Hörnerfest zum ersten Mal ausverkauft, ich schätze, es waren vielleicht 1500 Besucher da. Ich weiß auch schon, wo ich nächstes Jahr am ersten Juli-Wochenende sein werden. Wer früher ein Festival im Garten erleben will, kann Ende Juli zum Headbangers Open Air mit andrer musikalischer Ausrichtung auf dasselbe Gelände.

Sonne auf dem Hörnerfest 2016
Ja, wir hatten auch mal Sonne!

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Ein Kommentar

  1. […] doch immer nur dieselben Gesichter … Das finde ich natürlich großartig und trägt zu der von mir bereits öfter gelobten familiären Atmosphäre des Festivals bei. Auch wenn dieses Jahr nicht wenige vor dem Wetter kapitulierten, feierte der Rest doch umso […]

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