Mein Hörnerfest 2017

»Schietwetter« trifft es wohl ganz gut. Donnerstag Abend konnten wir gerade noch unser Zelt und Pavillon im Trockenen aufbauen, dann fing es an zu regnen. Und zwar durchgehend bis Samstag Mittag. Eigentlich dachte ich, ich sei abgehärtet, was das Wetter auf dem Hörnerfest angeht, aber das war auch für mich zu viel. Schon in der ersten Nacht verabschiedete sich der Pavillon, das Zelt wurde im Verlauf des Freitags undicht und bei jedem Schritt blieb man in zentimetertiefen Schlamm stecken. Mein Bruder hatte die Idee, doch spontan unsere Eltern zu besuchen, um unsere Sachen zu trocknen und in einem warmen Bett zu schlafen. Genau das taten wir auch – und wir waren nicht die Einzigen, die schon am Freitag abreisten. Nach über 28 Stunden Dauerregen war einfach Schluss. Aber keine Sorge, wir kamen Samstag noch mal wieder.

Hörnerfest Schlamm am Freitag morgen
Immerhin war unser Pavillion nicht das einzige Opfer.

Die Bands

Am Freitag habe ich mir erst Nine Traesures angeschaut, eine mongolische Folk-Metal-Band, die 2013 durch das Wacken Metal-Battle bekannter wurden. Ehrlich gesagt habe ich sie nur gesehen, da sie, danke verspäteter Anreise, ihren Opener-Slot mit The Moon and the Nightspirit getauscht hatten. Ich fand sie unterhaltsam und extrem gut gelaunt, aber musikalisch finde ich in der Richtung Tengger Cavalry immer noch besser.

Nine Treasures auf dem Hörnerfest 2017
Nine Treasures

Für den Folk Metal der Russen von Troll Bends Fir stand ich am Nachmittag wieder vor der Bühne. Auch hier galt wieder: Gute Laune, aber musikalisch für mich nicht sonderlich interessant oder herausstechend. Vor ein paar Jahren hätte ich sie sicherlich gefeiert, aber mittlerweile haben sich meine Musikvorlieben einfach in eine andere Richtung entwickelt.

Troll Bends Fir auf dem Hörnerfest 2017
Troll Bends Fir

Den Abschluss bildeten am Freitag für mich die Viking-Metaler von Skalmöld aus Island. Ich habe sie erst mit ihrem Album »Skálmöld & Sinfóníuhljómsveit Íslands« mit dem isländischen Staatsorchester lieben gelernt, und den guten Eindruck konnten sie live auf jeden Fall bestätigen. Jedenfalls hatte ich noch zwei Tage einen schmerzenden Nacken.

Skalmöld auf dem Hörnerfest 2017
Skalmöld

Am Samstag war das Wetter besser und wir kamen nach einem ausgiebigen Frühstück am frühen Nachmittag wieder auf dem Gelände an. Mein 15-Jähriges Ich wäre stolz auf mich, dass ich endlich die Folk-Punker Mutabor live gesehen habe, denn ES GIBT KEINE LIEBE AUF DIESER WELT!

Mutabor auf dem Hörnerfest 2017
Mutabor aus Berlin

Ich hätte auch gerne noch einmal Fejd bewundert, aber mein noch angeschlagener Fuß erlaubte es mir nicht, so lange vor der Bühne zu stehen. Also war ich erst zur zweiten Hälfte des Skyclads Auftritts wieder da. Dank ihres Ragnarök-Auftritts vor ein paar Jahren wusste ich, dass erst die etwas langweiligeren Songs kommen, und dann die besseren (damals bin ich nach der ersten Hälfte gegangen …). Bei »Parliament of Fools« hatte ich spontan Gänsehaut. Ich weiß auch nicht mehr, wer den Sound der Briten als »oldschoolig« bezeichnete, aber das ist wohl durchaus passend beim den Mitbegründern des Folk Metal. Seufz.

Skyclad auf dem Hörnerfest 2017
Skyclad

Nach dem enttäuschenden letzten Auftritt von Ensiferum in Hamburg verzichtete ich auf den zweiten großen Headliner, hörte aber beim Abendessen, dass sie alle ihre Klassiker spielten. Danach ging’s wieder gen Heimat, denn noch eine Nacht auf der schlammigen Wiese wollte keiner mitmachen.

Das Publikum

Da fährt man schon 400 Kilometer und sieht dann jedes Jahr doch immer nur dieselben Gesichter … Das finde ich natürlich großartig und trägt zu der von mir bereits öfter gelobten familiären Atmosphäre des Festivals bei. Auch wenn dieses Jahr nicht wenige vor dem Wetter kapitulierten, feierte der Rest doch umso ausgelassener vor der Bühne und dem Platz. Die Stimmung ist wirklich besonders. Ich denke, es liegt daran, dass von Seiten der Organisation so gut mit dem Feedback der Besucher umgegangen wird. Nicht wenige der Bandvorschläge aus dem Forum werden jedes Jahr erfüllt. Dadurch ist das Line-Up gut durchmischt, es treten viele unbekanntere (auch internationale) Bands auf, die aber immer zu überzeugen wissen und gefeiert werden – auch durch die treuen Fans, die sich den Auftritt der Band herbeigewünscht hat. Das wiederum merkt man den Musikern an: Viele sind überwältigt von der Reaktion, die sie bereits auf den frühen Slots erleben können.

Geschirr und Regen im Camp
Dieses Jahr mit eingebautem Geschirrspüler und improvisierten Rest-Zelten.

Die Organisation

Die größte Neuerung dieses Jahr war die neue Bühne. Die nun nicht mehr in den Garten des Veranstalters zeigt, sondern Richtung Campground. Es geht etwas familiärer Flair verloren, aber ich finde es so besser. Der Einlass ist einfacher zu erreichen, der Boden ebener, mit weniger Wurzeln und Bäumen und vor allem ist das Dach vor der Bühne größer. Das kam dieses Jahr beim Dauerregen sehr gut an, aber auch für die zukünftige Sonne, denn immerhin stehen die ersten 20 Reihen im Trockenen bzw. im Schatten. Der Sound war, gerade bei den Headlinern, für meinen Geschmack etwas zu laut, aber dafür qualitativ gut. Auch die Soundchecks gingen schneller über die Bühne, die Verzögerungen betrugen eher zehn Minuten und nicht eine halbe oder gar ganze Stunde wie beim letzten Haggard-Auftritt.

Hörnerfest Infield
Die neue Bühne und der altbekannte Schlamm

Ein Trecker zog uns und gegen ein Trinkgeld schon am Freitag vom Platz, der Müllpfand klappte einwandfrei und die Sanis waren etwas übereifrig, aber hilfreich . Die Campsituation auf der hinteren Fläche war etwas unorganisiert, aber letztlich hat jeder seinen Platz gefunden. Gegen das Wetter und den Schlamm sind wohl alle machtlos, aber ich denke, wir haben dieses Jahr wieder das Beste draus gemacht.

Stiefel im Schlamm
Warum ich nicht mehr auf dem Dorf lebe.
Pancakes Festivaledition im Kocher im Rum-Rosinen
Pancakes Festivaledition im Kocher mit Rum-Rosinen
Von meinem Zelt habe ich mich dieses Mal nach fünf Jahren treuen Diensten verabschiedet.

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