Nerds ja bitte, The Big Bang Theory nein danke

Aktuell sind es 200 Folgen und kein Ende in Sicht. Ich geb’s ja zu: Früher habe ich The Big Bang Theory auch gesehen. Und auch mal gelacht. Mittlerweile sehe ich die Serie problematischer. Es geht nicht nur um Folgendes:


Richtige Witze sucht man vergebens, allein die Erwähnung Pop-kultureller Anspielungen verleiten zum Lachen. Oder auch mal das Überlegenheitsgefühl: Ich konnte z.B. sagen »Ha! Ich kannte Schrödingers Katze schon, bevor TBBT es mir erklärt hat! Ich bin klug! K L U K!«

Was mir immer übler aufstoß, waren weniger die vier Nerds, die sowieso viel zu überzeichnet sind, als dass ich sie ernst nehmen kann, sondern vielmehr die anderen Nerds, die mitspielen. Überhaupt scheint es nur »Nerds« und »Nicht-Nerds« zu geben, Menschen, die in einer anderen fremden Welt leben, oder Menschen, die Nerds für komplett bekloppt halten und sie nicht verstehen (Ausnahme ist hier noch Penny). Die meisten Leute, die ich kenne, die sich nicht als Nerds bezeichnen würden, zeigen sich wenigstens interessiert oder kennen einzelne Serien, Spiele oder was auch immer man nun unter Nerdtum einordnen möchte. Sicher lebt eine Serie von Kontrasten und Konflikten, aber bei TBBT finde ich es anstrengend. Vielleicht ist es für mich auch ein besonderes Problem, weil ich mich selbst betroffen fühle. Ich finde die Selbstbezeichnung »Nerd« in Zeiten von trendigen »Nerdbrillen« und kiloweise verkauftem »Game of Thrones«-Merch schwer, andererseits: Ich zocke, seit ich fünf bin, am PC, spiele Magic the Gathering, bemale Tabletop-Figuren, kann große Passagen aus »Der Herr der Ringe« mitsprechen, kenne die Namen aller 751 Pokémon, verliere mich im Pen & Paper, beschäftige mich stundenlang mit Brettspielen, suchte Serien … Okay, ich falle wohl unter die Kategorie »Nerd«.

»Nerd sein« dürfen nur die Erfolgreichen

Zurück zu meinem Problem mit TBBT: Dort darf man seiner nerdigen Passion nur nachgehen, wenn man sowohl beruflich erfolgreich und sozial gefestigt im Leben steht. Die Hauptfiguren sind gesund, haben in den späteren Folgen PartnerInnen und mehr oder weniger gelungene Beziehungen und einen Job, der gesellschaftlich anerkannt ist. Sie haben natürlich alle studiert – auch wenn Howard »nur« einen Master hat. Wir wissen ja alle, dass die Intelligenz eines Menschen an seinem Universitätsabschluss gemessen werden kann.
Werfen wir nun aber einen Blick auf den Comicbuchladen-Verkäufer Stuart. Ich hatte nach ein paar Folgen nichts weiter als Mitleid mit ihm. Während bei den vier »Nerds« die Hobbys als liebenswürdige Schrulligkeiten gesehen werden, ist Stuart der Inbegriff eines Versagers. Er scheitert beruflich, und sogar seine Freunde machen sich über ihn lustig, manchmal scheint es, als sei er ihnen zu nerdig. Aber auch die anderen Kunden im Comicbuchladen wurden nur abschätzig betrachtet – gut, ich möchte auch nicht mit Captain Schlabberhose befreundet sein, aber trotzdem muss ich noch lange nicht über ihn lästern. Ich versuche mir vorzustellen, ob Sheldon und Co. sich hätten anhören müssen, doch erstmal ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, wenn sie statt Physikern nun Autoren von Sci-Fi-Büchern wären. Irgendwann wurde es immer deutlicher für mich: In The Big Bang Theory wird über die »Nerds« gelacht, nicht mit ihnen und ich hörte auf, die Serie weiter zu verfolgen. Niemand mag es, wenn man ausgelacht wird und genau so fühlte es sich irgendwann an. Schon klar, ich lasse mir den Stock aus dem Arsch noch entfernen und komme zum Lachen aus dem Keller heraus. Oder aber ich widme mich lieber Serien, die es richtig machen. Deshalb schaue ich jetzt wieder The IT-Crowd. Dafür muss man zwar britischen Humor mögen, aber das tue ich zum Glück ja.

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