Pen & Paper – Meine Erfahrung als Spieler und Spieleleiter

Wow. Es sieht wirklich so aus, als würde ich schon seit fast zehn Jahren am Pen & Paper Rollenspiel begeistern. Also wird’s Zeit für einen Rückblick.

In der Schule fragte ein Freund – mein späterer Mitbewohner – mich und einige Freunde, ob wir nicht zusammen ein Pen & Paper spielen wollen. Lange Spielerunden mit Brettspielen waren mir nicht unbekannt, und Rollenspiele zockte ich am PC. Also, klar, liebend gerne. Er hatte sich in die World of Darkness verliebt und da es damals noch keine Glitzer-Vampire gab, erstellten wir uns alle einen Blutsauger. Auch wenn ich heute einiges anders machen würde bei der Charaktererstellung, hänge ich immer noch an meiner hochnäsigen Toreador-Vampirin, die ich über viele Jahre spielte. Zur Einstimmung empfahl er uns das PC-Spiel Vampires – The Masquerade: Bloodlines, das immer noch zu meinen Lieblingsspielen zählt. Wir spielen allerdings nach dem Requiem-Regelwerk, wofür ich sehr dankbar war, als ich später mit Kommilitonen mal eine Runde Masquerade testete.

Unsere ersten Runden waren chaotisch-gemütlich. Wir trafen uns erst am späten Nachmittag oder abends, denn um einen Vampir stilecht spielen zu können, muss die Sonne schon untergegangen sein. Wir saßen bis nachts um drei zusammen und ernährten uns nur von Süßkram. Als unser Spieleleiter als Erster nach Berlin zog, schliefen wir mit bis zu acht Leuten in seiner Ein-Zimmer-Wohnung oder warteten morgens um sechs auf den ersten Zug nach Hause.

Etwas mehr als ein Jahr später (Anfang 2009) wohnten unser Spieleleiter und ich als WG zusammen und spielten dort regelmäßig. Allerdings fingen wir an, schon gegen Mittag zu spielen und eine große Pause zu machen, in der wir gemeinsam kochten. Mein Bruder initiierte zusätzlich eine DSA-Runde, in der er Spielleiter war. Teilweise saßen wir mit zehn Spielern zusammen – das ist machbar, erfordert aber viel Konzentration und Geduld. Wir begannen mit den alten DSA-2.0-Regelwerken unserer Eltern, bei denen die Charaktere noch komplett ausgewürfelt wurden und wechselten schließlich auf das 4er System. Ich zog aus der WG, die Freundin unseres Spieleleiters ein und meistens trafen wir uns weiterhin dort zum Spielen. Durch die üblichen Durchmischungen des Freundeskreises, dem Zusammenkommen und Trennen von Pärchen wechselten die Mitspieler immer mal wieder, aber auch die Systeme. Wir probierten Shadowrun (3.1, wenn ich mich nicht täusche), spielten nach Vampiren auch eine Gruppe Werwölfe, bei der wir versuchten, uns unter Woche jeweils für zwei bis vier Stunden zu treffen. Bei DSA probierten wir auch ein Abenteuer-Buch aus, allerdings verliefen die meisten unserer DSA-Runden schnell im Sand.

Charakterbögen in vampir-angenehmen Lichtverhältnissen
Charakterbögen in Vampir-angenehmen Lichtverhältnissen (2009)

In all diesen Varianten, die ich gespielt habe, kann ich nur sagen, dass ich Pen & Paper Rollenspiel liebe. Ich liebe die Charaktererstellung (ja, ich bin auch so jemand, dessen MMO-Char stundenlang erstellt wird, einen Lore-gerechten Namen und am besten schon eine Hintergrundgeschichte hat), ich liebe es, die Rätsel zu lösen, ich liebe gerade in der WoD die Interaktion der Charaktere untereinander und mit den NPCs. In all unseren Runden spielen wir die Gespräche aus und halten uns an das Motto „gesagt, getan“. Was man tut und sagt, hat unmittelbar Konsequenzen für die Geschichte und den eigenen Charakter und kann mitunter tödlich enden. Diese Herausforderung sowie die Verkörperung des Charakters, in der man einfach mal eine andere Rolle einnehmen kann – das macht für mich Rollenspiel aus.

Unsere Spielerunden wurden schließlich aus unterschiedlichen Gründen seltener oder fanden gar nicht mehr statt. Da ich aber nach einer Weile im Frühjahr 2015 merkte, dass ich nicht auf das Rollenspiel verzichten kann, gab es eigentlich nur eine Lösung: Ich musste selbst als Spieleleiter eine neue Gruppe ins Leben rufen. Zuerst nur für eine Runde, die über das TS stattfand, was mir nicht sonderlich zusagte. Nun spiele ich die Geschichte noch einmal mit anderen Leuten richtig oldschool am Küchentisch. Natürlich wieder WoD, natürlich wieder Vampire. Einfach, weil ich die Hintergrundgeschichte kenne und schätze sowie die Regel am übersichtlichsten finde und am besten beherrsche – kein Wunder, wenn die Alternativen Shadowrun oder DSA sind.

Ich hatte all die Jahre über nie das Bedürfnis, selber Spieleleiter zu sein. Zum einen, weil ich ahnte, welch Aufwand dahinter steckt, aber auch, weil ich viel zu gerne meinen einen Charakter spiele. Während der Vorbereitung zur zweiten Runde merkte ich jetzt: Es macht mir wahnsinnig Spaß, Geschichten für meine Spieler zu entwickeln. Ich schreibe gerne und muss mich beherrschen, nicht zu textlastig zu werden. Ich habe meine Spieler schon in der ersten Runde in eine Situation gebracht, in der ich schreckliche Freude daran hatte, sie sich winden zu sehen. Für die kommende Runde habe ich vor allem Rätsel vorbereitet und bin wirklich gespannt, wie sie sich aufnehmen. Und ich kann nicht nur einen Charakter verkörpern, sondern gleich mehrere. Eine herrliche Herausforderung, auch wenn ich meiner Gruppe einen Charakter an die Seite gestellt habe, den man wohl als „meinen“ bezeichnen könnte.

Allerdings fürchte ich, dass meine Spieler nicht allen eingebauten Feinheiten die Aufmerksamkeit schenken werden, die sie verdienen. Das erzählten mir bisher alle Spieleleiter: wie sie bestimmte Dinge sorgfältig vorbereitet hättet, Gegenstände versteckt, Nebenquesten eingebaut hätten – und die Spieler dann wie ihm Wahn nur der Story folgten. Und ich weiß auch schon, wie schwer es mir fallen wird, da zu schweigen. Am liebsten möchte ich ihnen schon vorher alles entgegenschreien: SEHT NUR, DA, DER NAME IST EINE ANSPIELUNG, NUN DRÜCKT DOCH ENDLICH DEN VERSTECKTEN SCHALTER, OH, WAS DER DORT NOCH MIT EUCH ANSTELLEN WIRD!

Aber nein, ich darf nur da sitzen und bestenfalls geheimnisvoll lächeln.

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