The Last Kingdom

Wenn die Lieblingsbücher verfilmt werden, ist das immer so eine Sache. Es kann großartig (»Der Herr der Ringe«) oder unter ähnlichen Bedingungen auch furchtbar (»Der Hobbit« werden). So sah ich der Verfilmung von Bernard Cornwells »Uhtred-Saga« (im englischen Original »Warrior-« oder »Saxon-Chronicles«) seit der Ankündigung vor mehr als eineinhalb Jahren mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Um eines gleich vorwegzunehmen: Ich wurde nicht enttäuscht!

Worum geht’s eigentlich?

»The Last Kingdom« hält sich mehr oder weniger nah an die Buchvorlage. Die Serie folgt in acht Folgen der Handlung der ersten zwei Romane, von denen der erste im englischen Namensgeber der Serie ist. England, Ende des 9. Jahrhunderts: Die Dänen fallen im Land ein. Ein Kriegstrupp unter Führung von Earl Ragnar überfällt die Burg von Uhtreds Vater, Uhtred dem Älteren in Northumbria, tötet diesen sowie den ältesten Sohn und behält Uhtred als Sklaven. Er wird zum Ziehsohn für Ragnar, wächst nun bei den Wikingern auf und fühlt sich als einer der ihren. Er nimmt ihren Glauben an, ihre Art zu kämpfen. Durch eine Fehde werden schließlich Ragnar und seine Familie ermordet, einzig Uhtreds Ziehbruder Ragnar überlebt, da er in Irland auf Raubzug ist, und seine Schwester Thyra wird von den Mördern entführt.
Uhtred beschließt mit seiner Geliebten Brida, ebenfalls einer ehemaligen sächsischen Sklavin, an den Hof von Alfred, dem König von Wessex, zu fliehen. Der fromme Alfred plant die Vertreibung der Dänen von der Insel, doch sein größter Wunsch ist es, die angelsächsischen Königreiche unter der Führung Wessex zu einem Königreich, England, zu vereinen. Uhtred widerstrebt es, sich den Sachsen anzuschließen, die ihm als Heiden nur misstrauisch gegenüber stehen. Aber unter den Dänen hat er seit Ragnars Tod kaum noch Freunde, außerdem hofft er, dass Alfred ihm bei seinem Lebensziel behilflich sein kann: Der Rückeroberung der heimatlichen Burg, der Bebbanburg, die sein Onkel Ælfric nach dem Tod seines Vaters widerrechtlich an sich gerissen hat.

King Alfred und seine Krieger üben ernst blicken
King Alfred und seine Krieger üben ernst dreinschauen

Was bietet die Serie dem, der die Bücher kennt und liebt?

Cornwells Buchreihen eignen sich einfach zum Verfilmen, wie in den 90ern die Umsetzung der Sharpe-Reihe mit Sean Bean gezeigt hat. Natürlich kann ein Buch nie eins zu eins verfilmt werden, aber hier finde ich es ziemlich gut gelungen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt – ein brünetter Uhtred ist wohl der Ausgleich für einen blonden Sharpe *schnief* – die Story spannend umgesetzt und ich vermisse nur Kleinigkeiten – und vielleicht ist es auch etwas schwerer nachzuvollziehen, warum Uhtred sich letztendlich immer wieder auf die Seite der Sachsen schlägt. Einen besonderen Charme der Bücher macht der Stil aus: Der alte Uhtred, der auf sein Leben zurückblickt und von seinem Ruhm als Krieger erzählt. Ein wenig wird versucht, diese Art im wundervoll animierten Intro aufzugreifen, auch wenn es nicht ganz gelingt. Und noch eine gute Nachricht: Bisher gibt es acht Bände der Buchreihe und sie ist noch nicht abgeschlossen.

Manchmal ist es schwer, objektiv zu bleiben, also: unbedingt anschauen!!!111

Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: The Last Kingdom ist absolut sehenswert. Es ist rau und brutal, und der eine oder andere Charakter bleibt auf der Strecke – aber es fühlt sich ziemlich gut nach Mittelalter an. Bei einen blutigem Geplänkel mit schmutzigen bärtigen Männern muss die Serie sich dem Vergleich mit Game of Thrones und Vikings stellen. Last Kingdom ist nicht nur Game of Thrones ohne Drachen, obwohl der Kampf um die Königreiche die zentrale Rolle spielt. Noch sind die Schlachten etwas sparsamer als in GoT, allerdings wurde auch dort Tyrion in der ersten Staffel einfach bewusstlos geschlagen, statt an seinem ersten Kampf teilzunehmen.
Zu Vikings kann ich nicht viel sagen – all die historischen Fehler haben mich bereits nach der ersten Folge abschalten lassen. Ich meine – Wikinger, die im 9. Jahrhundert nicht wissen, wo England liegt und ihre Drachenschiffe im Wald bauen und dann in den Fjord beamen? Ohne mich. Jedenfalls werden die Charaktere und die Geschichte passend in das historische Umfeld eingebaut. Brida ist kampflustiger als in den Büchern, wahrscheinlich um ebenfalls eine Kriegerbraut präsentieren zu können. Etwas überflüssig, da ich der Meinung bin, Cornwell erschafft starke weibliche Charaktere, ohne ihnen ein Schwert in die Hand drücken zu müssen.
Abschließend kann ich nur sagen, nachdem ich in die deutsche Synchronisation kurz hereingeschaut habe: Schaut auf alle Fälle die englische Version!

»The Last Kingdom«, auf Netflix, mit Alexander Dreymon, David Dawson, Emily Cox, Ian Hart, Matthew Macfadyen

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